Die Kirche

Die Kirche
 

  

Die Herz-Jesu-Kirche steht im Süden der Stadt Trier, in dem alten Trierer Vorort „St. Barbara“, im Volksmund „Barbeln“ genannt. Das Frauenkloster „St. Barbara“ wurde erstmals 1225 urkundlich erwähnt, es gab dem Fischer- und Schifferdorf seinen Namen. In der heutigen Speestraße stand neben dem Barbara-Kloster die noch ältere Barbara-Kapelle.
Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster aufgegeben und die Kapelle zerstört. Die Bewohner des Dorfes bauten 1686 das Barbelser Kapellchen, an der unteren Ecke der früheren Kapellenstraße, die heute Saarbrücker Straße heißt.

Barbeln wurde 1888 in die Stadt Trier eingemeindet. In der Folge wurden viele Häuser im Gründerstil gebaut. Die Bevölkerung wuchs. Bereits 1860 bildete sich ein Kirchbauverein, der eine neue größere Kirche bauen wollte. Das Projekt wurde erst 30 Jahre später wieder aufgegriffen.

Dombaumeister Reinhold Wirtz plante eine neugotische Hallenkirche mit angedeutetem Querhaus, polygonalem Chor und hohem Westturm. Die Grundsteinlegung erfolgte 1893 durch Bischof Michael Felix Kroum.

In dieser Zeit hatte die Herz-Jesu-Verehrung ihren Höhepunkt. Papst Pius IX. führte 1856 das Herz-Jesu-Fest für die katholische Kirche ein. Es wird am 2. Freitag nach Fronleichnam begangen. In der Begeisterung für die Herz-Jesu-Verehrung bekam auch die Kirche in Barbeln ihren Namen. Der Bau wurde 1895 vollendet. Die Weihe erfolgte am 2. Juli 1899.

Die Kirche gehörte zur Pfarrei St. Gervasius. 1927 wurde Herz-Jesu eine eigenständige Pfarrei. 1929 wurde die Orgelempore errichtet. Am 23. Dezember 1944 wurde die Kirche zu großen Teilen zerstört. Nur die Außenwände und der Turm bleiben erhalten.

Der Wiederaufbau begann 1948. 1950 fand die erneute Einsegnung statt.  1955 schuf Heinrich Dieckmann die Chorfenster. 1957 wurde die jetztige Sebald-Orgel installiert. Seit 1962 hängen wieder 4 Glocken im Kirchturm. Sie läuten in der Tonlage c, es, f, g – und bilden damit die Choralmelodie „per omnia saecula saeculorum“ ab. 1989 wurde der Innenraum grundlegend neu gestaltet. Am 20. Juni 1993, hundert Jahre nach der Grundsteinlegung, konnte die Renovierung abgeschlossen werden.

Die Fenster und die Ausgestaltung des Innenraums

Die drei Chorfenster von Heinrich Dieckmann bilden zusammen eine Kreuzigungsgruppe, links die Gottesmutter Maria, rechts der Apostel Johannes, in der Mitte Maria Magdalena zu Füßen des Kreuzes.
Die weiteren Chorfenster von Jakob Schwarzkopf zeigen Barbara und Alban (links) und Anna und Nikolaus (rechts). Ebenso hat Schwarzkopf die Fenster im Kirchenschiff und unter der Empore gestaltet. Unter der Empore sind Bilder von Johannes dem Täufer zu sehen. Hier sollte ursprünglich der Taufort eingerichtet werden. Das Fenster im Turm hinter der Orgel wurde von Heinrich Feld entworfen. Es entfaltet die Verehrung des Herzens Jesu.

Der Tabernakel wurde 1971 von Egino Weinert (Köln) gestaltet und zeigt in Emailtechnik das Abendmahl und die Hochzeit zu Kana. Das Sakramentshaus wurde 1994 von Bildhauer Thomas Föhr errichtet. Im Altarraum sind über den Sakristeitüren 2 Darstellungen von Heinrich Feld zu sehen: die „Madonna mit den Pfeilen“ von Blieskastel (14. Jahrhundert) und „Mutter Anna“ vom Bildstock vor der Kirche.

Der Altar wurde von Karl Schmitt gestaltet. Im Mittelpunkt der vorderen Seite ist Christus beim Mahl in Emmaus zu sehen. Weitere Darstellungen zeigen biblische Mahlszenen: z. B. die Speisung der 5000, das Festmahl für den wiedergefundenen Sohn. Auf der Rückseite bildet der Pelikan als Symbol für Christus die Mitte. Die schmalen Seitengitter sind als Weinstock gearbeitet und werden von Tiersymbolen belebt. Sie verweisen auf die Auferstehung Christi.

Der Leitgedanke des Ambo ist „Christus, fruchttragendes, heilbringedes Wort“. Dargestellt ist der Lebensbaum an einem Fluß (vgl. Ps 1, Prophet Ezechiel, Offenbarung des Johannes).

Der Taufstein wrude im Jahr 1926 von Bildhauer Anton Nagel geschaffen. Symbole rund um das Wasser und die Taufe sind zu sehen.

Statuen
Die 4 Evangelisten
im Chorraum sind die einzigen Überreste von der ursprünglichen neugotischen Ausstattung der Kirche.
Die barocke Marienstatue stammt aus der zerstörten Pfarrkirche St. Gervasius, aus der die Pfarrei Herz-Jesu 1927 entstanden ist.
Die Heilige Barbara erinnert an das Barbarakloster, das bis 1674 gegenüber des Herz-Jesu-Krankenhauses stand.
Die Mutter-Anna-Stele ist ein Werk von Heinrich Feld von 1997. Anna wird als schlichte Frau aus dem Volk darstellt. Sie erinnert an die Anna-Verehrung des ehemaligen Klosters Löwenbrücken.
Die Herz-Jesu-Statue unter dem Empore wurde von Künstler Wilhelm Tophinke geschaffen. Eine ungewöhnliche Darstellung des Herzens Jesu.
Die Nikolaus-Statue erinnert an die Nikolausbruderschaft, die 1840 in St. Barbara von Schiffern, Schiffbauern und Fischern gegründet wurde.
Die Antonius-Statue stammt noch aus der alten St. Barbara-Kapelle. Er hält in der Hand das Jesuskind – es sitzt auf der Heiligen Schrift, dem fleischgewordenen Wort Gottes.

Kreuzweg
Die Stationen wurden 1956 ebenfalls von Wilhelm Tophinke in gebrannten Kunstsein gefertig. 1995 hat Heinrich Feld die Stationen farbig gefasst und mit Symbolpflanzen der Passion versehen, die in Beziehung zur jeweiligen Darstellung stehen. Zum Beispiel an der 4. Station begegnet Jesus seiner Mutter. Erdbeeren sind zu sehen. Die Fünfzahl der Blüttenblätter verweist auf die 5 Wunden Christi. Die roten Früchte erinnern an die Blutstopfen Jesu und seiner Mutter.

Deckenbemalung
Die bildernerische Gestaltung im Deckenbereich, der Säulen und der Emporenbrüstung stammen ebenfalls von Heinrich Feld.
In zarten Farben leuchten blühende Heilpflanzen aus unserer Heimat auf.  Im Chorraum ist ein Weinstock mit 7 Trauben zu sehen. Christus ist der Weinstock, wir sind die Reben: „Wer in imir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht“ (Joh 15).  Löwenzahn, Distel, Fingerhut, Ehrenpreis, Schöllkrut, Wegwarte, hauswurz und Johanniskraut haben ebenso eine symbolische Bedeutung wie die Farben der Pflanzen Grün, Rot, Blau und Gelb.
Im Triumpfbogen über dem Altar verweisen die Disteln auf das Leiden und den Tod Christi. Die blühende Löwenzahnwiese ist ein Bild für die Auferstehung und das neue Leben. An der Emporenbrüstung erscheint die Rose – Symbol der Liebe, aber auch Symbol für Christi Blut und seine Wunden.

 

Quelle: Pfarrei St. Matthias Trier (Herausgeberin): Herz-Jesu-Kirche Trier, Trier 2014. Text und Gestaltung: Hans-Peter Ternes, Werner Mathieu.

Bilder: http://alte-ansichten-trier.de/alte-diverse2.php

 

Im Viertel: Das Herz-Jesu-Krankenhaus 

Im Viertel: Der Herz-Jesu-Garten

Im Viertel: Barbeln 1995

Im Viertel: Sechs Dörfer vor der Neuport – St. Barbara

Im Viertel: St. Barbara – Herz Jesu – Geschichte von Barbeln