En „Rheinisch Mess“ op Märtesovend – am 10. November, 16:00 Uhr; donoh Schämmes, Uhles, Knällche, Knüüles, Döppekoche „Unde de Orjel“

En Reinisch Mess op Märtesovend? Watt is datt dann?
Bruche mer su jett?
Und dann och noch ze Trier? 
Mir doon ett ess versööke.
Für die Siehl,
ett Hääz, de Kopp un och de Buch.
Andesch seen, hüüre, schmecke –
datt is datt Motto in de Hääz-Jesu-Kirch ze Trier.

Rheinländerinnen und Rheinländer in Trier.
Es gibt sie. Der Beruf hat sie hierhin verschlagen. Oder die Liebe. Oder der Herrjott“. Oder alle drei.
Rheinländer*innen vermissen in Trier ihre Sprache. Ihre Kultur. Das Rheinische. Genauer gesagt, das Ripuarische. Es ist die Sprachfamilie, die zwischen Ooche (Aachen), Aahrwiele (Ahrweiler), Waldbröhl und Benrath gesprochen wird, „met Kölle un Bonn mettendrin“.  Zu der Familie gehören auch die  vielen kleinen Geschwister, also ganz im Süden auch das Ovvewintere und Bandorfer Platt *1  Der Vinxtbach, der an der Burg Rheineck in den Rhein fließt, ist die Sprachgrenze zum Moselfränkischen, so haben wir es noch in der Heimatkunde gelernt.

Sprache – Kultur – Spiritualität
Sprache
und Kultur bedingen einander. Die eine schafft die andere und setzt sie gleichzeitig voraus. Ebenso ist es mit der Spiritualität – der Beziehung zu Gott. Sie setzt Sprache und Kultur voraus. Italienische Spiritualität ist völlig anders als die deutsche, die ist anders als die polnische… und die ist ganz verschieden von den vielen afrikanischen Spiritualitäten. Selbst innerhalb Deutschlands ist der Katholizismus im Rheinland ein anderer als der in Bayern, in Sachsen, im Eichsfeld oder im Emsland. Völlig verschieden ist die Spiritualität von Menschen, die die Deutsche Gebärdensprache benutzen und sich zur Gehörlosenkultur zugehörig fühlen.

Gerade für die älteren Rheinländer*innen ist das Rheinische die Sprache des Alltags. Leider wurde sie den Kindern – und ihren Eltern – von wohlmeinenden Lehrer*innen in der Volksschule „ausgetrieben“. „Sprecht mit den Kindern Hochdeutsch! Sonst wird aus ihnen nichts – im Wirtschaftswunderland!“
So ist das Rheinische als Sprache mehr und mehr verschwunden. Es überlebt als Regiolekt, als ein Art Hochdeutsch, mit rheinischer Melodie und Farbe.
Außenstehende und auch mancher Insider bringen mit der rheinischen Sprache nur noch Fastelovend also Karneval in Verbindung. Das ist bedauerlich. Mundarten waren die Sprache des Herzens und des Gefühls, die richtige Form für alle wichtigen Äußerungen des Lebens.
In Köln und Bonn gibt es Vereine und oder gar eine Akademie, die die Sprache lebendig halten. Die kleineren Orte haben es da deutlich schwerer. Dennoch gibt es sie noch, hier und da – die rheinische Sprachfamilie, eine gemeinsame rheinische Lebensart und Kultur.

Gibt es auch eine rheinische Spiritualität? Ja. „Dem Här zo Ihre“, „Psalmen op Kölsch“, „Messboch op Kölsch“, „Us Leev zom Herrjott“… die Bücher vergangener Jahrzehnte zeugen vom Suchen und Finden einer kölschen Spiritualität. An verschiedenen Orten in Köln wird mehr oder weniger regelmäßig ein „Kölsche Mess“ gefeiert, auch in St. Anna in Köln-Ehrenfeld. Der dortige Arbeitskreis hat damit Erfahrungen aus einigen Jahrzehnten.

Beim Besuch der „Mess op Kölsch“ an Pfingsten in St. Anna in Köln-Ehrenfeld entstand die Idee:  In Trier könnte doch mal ein „rheinische Messe“ für Exil-Rheinländer*innen und ihre Freund*innen stattfinden. Muttersprachler*innen „vom Rhing“- uss Bandorf, Ovvewinte, uss de Unkelbaach un e paar Nohpere – haben ihre Unterstützung zugesagt.
Es wird keine reine „Mess op Kölsch“ sein, sondern eine „Rheinische Messe“, mit den Mundarten der Menschen, die kommen. Sie werden ihre Worte und ihre Farben mitbringen. Man kann nichts falsch machen!

Die Trierer Herz-Jesu-Kirche ist dafür genau der richtige Ort. Das Kirchenprojekt „sredna“ lädt ein, anders zu sehen, zu hören und zu schmecken – und so andere Zugänge zu Gott und zu den Menschen zu finden. Verschiedene Kulturen und Sprachen waren hier schon zu sehen, zu hören und zu schmecken – jetzt kommt das Rheinische dazu.

Der heilige Martin, der Zinte Märtes, wird im Rheinland sehr verehrt. Sein Fest bietet den richtigen Anlass – und so feiern wir am Abend vor seinem Fest den Heiligen Mann – mit einer Rheinischen Messe und einer Begegnung mit rheinischen Speisen im Anschluss – Schämmes, Uhles, Knällche, Knüüles, Döppekoche, viele Namen für ein Gericht. Und „ze drinke“ jitt ett och jett, datt is doch klor…

Gebete, Lieder und Texte werden – soweit wie möglich – von Muttersprachler*innen von Köln bis Bandorf vorgetragen.

Herzlich willkommen zu einem ungewöhnlichen Martinsabend!

Hier die Geschichte des Heiligen Mannes – zur Vorbereitung:

*1 Hier ein Auszug aus dem Rheinischen Fächer der Mundarten:

Von Juschki – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25904079

 

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