Queeres Nachtgebet

Herzliche Einladung
zum Queeren Nachtgebet am
10. April 2026 um 20:00 Uhr

(Bitte die neue Anfangszeit beachten. Wir beginnen schon eine halbe Stunde früher als gewohnt)

Das Thema des Nachtgebetes lautet dieses mal:„in_vielfalt_geschaffen“

Die Frage ob es mehr Geschlechter gibt als Mann und Frau, führt in der Gesellschaft und auch in den Kirchen schnell zu heftigen Diskussionen. Debatten um Geschlechtervielfalt lösen häufig intensive, emotionale Reaktionen aus. Die Polarisierung rund um dieses Thema hat sich in den letzten Jahren weiter verstärkt.
Deshalb haben wir uns entschieden, uns noch einmal genauer mit den Themen Schöpfung und Geschlechtervielfalt zu beschäftigen.
Wir sind sehr froh, dass wir zu diesem Thema Dr. Andreas Krebs von der altkatholischen Kirche als Gast im queeren Nachtgebet haben. Er ist Professor für altkatholische Theologie an der Universität in Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. Ökumene und interreligiöser Dialog, sowie queere Theologie. Er wird uns in einem Gespräch Einblicke geben in die theologischen Hintergründe der biblischen Texte und auch der dahinter stehenden jüdischen Tradition.

Am Ende des Gebetes wird es wieder die Möglichkeit für einen persönlichen Segen geben. Und im Anschluss besteht wie immer die Gelegenheit zur Begegnung unter der Empore.
team queer@herzjesu

QNG. 10. April 2026

Wir wollen unser Gebet unter den Segen der Ewigen stellen und beginnen im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.
Amen

Gebet zur Eröffnung
Lasst uns beten:
Auferstandener Christus, wir danken dir dass du uns heute Abend hier zusammen geführt hast. Wir können darauf vertrauen, dass du hier mitten unter uns bist, so wie du es zugesagt hast.
Wir danken dir, das du jede und jeden einzeln von uns ganz einzigartig und wunderbar geschaffen hast. Und für die ganze bunte Vielfalt deiner Schöpfung.
Wir bitten dich, leite uns an diesem Abend durch deine heilige Geistkraft und öffne unser Herz für dein Wort, deine Liebe und deine Gegenwart.
Amen 

Begrüßung und Einleitung

Ihnen und euch allen herzlich willkommen zu unserem queeren Nachtgebet.
Wir haben das Nachtgebet heute Abend überschrieben mit dem Titel in Vielfalt geschaffen.
Vor ein paar Wochen hat mir jemand von einem Erlebniss erzählt, dass unser Thema in vieler Hinsicht sehr gut auf den Punkt bringt. Sie war in der schule um eine Stunde zu gestalten, gemeinsam mit der 5. und 6. Klasse. Die Schüler:innen haben bemerkt, dass sie einen Anstecker in Regenbogenfarben trug und haben danach gefragt, ob das was mit schwul-lesbisch usw zu tun hat. Als dann geklärt war, dass das tatsächlich so ist, war die erste Frage: Wie viele Geschlechter gibt es?
Wir sind also in der 5/6 Klasse und das ist die erste Frage die dazu einfällt.
Sie haben etwas über dieses Thema gesprochen und am Ende hat das selbe Kind, dass diese erste Frage gestellt hat, dann gesagt: Also wenn ich jetzt wählen könnte, dann würde ich die AfD wählen, dann gäbe es diesen ganzen Kram nicht.

Ich finde, dass das gut die ganze Bandbreite der Diskussion um Geschlechtsidentität und –vielfalt widerspiegelt. Einerseits größeres Bewusstsein und Wissen und andererseits die immer dazugehörende Ablehnung und Gegenwehr.
Inzwischen ist die Frage der Geschlechtervielfalt in den Fokus der Diskussion geraten.
Einerseits ist es natürlich ein gutes Zeichen das auch die jüngeren mitbekommen das es da mehr geben kann als eindeutig Frau oder eindeutig Mann. Was sicher auch mit den sozialen Medien zu tun hat. Im guten wie schlechten.

Es hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur in der queeren community einen stetigen Prozess der Diskussion und Entwicklung gegeben. Auch im Rest der Bevölkerung hat sich durch viel Einsatz und Aufklärung mehr Wissen verbreitet. Es gab Fortschritte in Sachen Akzeptanz und auf gesetzlicher Ebene.
Aber natürlich gab und gibt es auch immer die entsprechende Gegenbewegung und den Kampf gegen jede für uns positive Entwicklung.
Und seit einigen Jahren ist die Frage von Geschlechtsidentität und Geschlechtervielfalt das Hauptthema in einer Art Kulturkampf geworden, bei dem es natürlich mal wieder um nichts geringeres, geht als den drohenden Untergang des Abendlandes. Was umso erstaunliche ist, wenn man bedenkt, dass die Anzahl an Personen, die das betrifft, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ziemlich klein ist.
Diese Diskussion und Grabenkämpfe gibt es nicht nur in der Gesamtgesellschaft, sondern auch innerhalb der Kirchen.
Es gab auch hier einige positive Fortschritte. Die sind oft nicht so bekannt, weil sich gute Nachrichten leider sehr viel schlechter verbreiten lassen. Es gab z. B. im letzten Jahr ein neues Papier für die Schulen über die „ Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule“.
Und zu Anfang diesen Jahres ist hier im Bistum eine neue Gleichstellungsordnung in Kraft getreten. In der auch ausdrücklich die Gleichstellung der Geschlechtseinträge, „divers“ und „ohne Geschlechtsantrag“ mit einbezogen wurde.
Aber auch hier gab es natürlich wieder den entschiedenen Widerspruch von konservative bis Reaktionär Seite. Und das beharren darauf, dass es natürlich nur Mann und Frau gibt.
Geschlechtervielfalt und Geschlechtsidentität sind in den Fokus einer Diskussion gerückt, die oftmals sehr intensiv und emotional geführt wird.
Deshalb haben wir uns für das Nachtgebet noch einmal für die Themen Schöpfung und Geschlechtervielfalt entschieden. Um uns genauer zu beschäftigen mit den Bibeltexten und den Argumenten, die hier oft angeführt werden.
Wir sind sehr froh, dass wir zu diesem Thema, mit Dr. Andreas Krebs einen besonderen Gast in unserem Nachtgebet begrüßen dürfen. Er ist Professor für altkatholische Theologie an der Universität in Bonn. Seine Forschungschwerpunkte sind u.a. Ökumene und interreligiöser Dialog, sowie queere Theologie. Er wird uns in einem Gespräch Einblicke geben in die theologischen Hintergründe der biblischen Texte die wir ausgewählt haben. Und auch in die dahinter stehenden jüdischen Glaubensvorstellungen und Traditionen. Im Anschluss an das Gespräch wird es auch die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.
Wir freuen uns sehr lieber Andreas, dass du dieses Nachtgebet zusammen mit uns gestaltest.

Lied: „ Alle meine Quellen.“

Lesung aus dem Schöpfungsbericht (Gen 1, 26-31)
Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.

Lied: Gott gab uns Atem

Lesung aus Galater (Gal 3, 23-28)
23 Ehe der Glaube kam, waren wir vom Gesetz behütet, verwahrt, bis der Glaube offenbar werden sollte. 24 So ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus dem Glauben gerecht gemacht werden. 25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter dem Erzieher. 26 Denn alle seid ihr durch den Glauben Kinder Gottes in Christus Jesus. 27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. 28 Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. 29 Wenn ihr aber Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben gemäß der Verheißung.

Gespräch mit Andreas Krebs

Lied: Wo ein Mensch Vertrauen gibt

Ich bin, was ich bin;
LSBTIQ+ Psalm von Monsignore Stefan Wahl 2022 
(Im Wechsel beten)

Lied: Beten

Gemeinsam das Vater/Mutter Unser beten
Geänderter Beginn: Gott Du bist uns Vater und Mutter im Himmel…. weiter wie vertraut

Einladung zum persönlichen Segen und zur Begegnung unter der Empore

Abschlussgebet

G*tt –
du bist mehr bist als alle Namen,
die wir dir geben können,
und wohnst doch in allen Namen,
die wir für dich finden:

Wir danken dir für diesen Abend.
Für uns, die wir hier zusammengekommen sind  –
mit unseren Fragen, Geschichten,
mit dem, was uns müde macht, und dem, was uns ermuntert.

Du hast uns geschaffen,
männlich und weiblich und alles dazwischen,
und alles darüber hinaus,
das noch keinen Namen hat.

Wir dürfen Menschen lieben,
die für uns wertvolle Namen tragen.
Und zugleich dürfen wir eine Sehnsucht spüren,
die alles, was einen Namen hat, übersteigt.

Wir danken dir,
denn so, wie wir sind, so, wie wir lieben,
leben wir ganz in dir,
ganz auf dich hin.

Segen

G*tt segne uns —
mit Mut,
wo Mut nötig ist,
und mit Leichtigkeit,
wo Leichtigkeit möglich ist.

Gott segne unseren Leib,
wie er ist und wie er werden wird.
Gott segne unsere Beziehungen,
denen wir uns verdanken
und uns herausfordern,
die uns Geborgenheit geben,
uns uns Aufbrüche wagen lassen.
Gott segne unseren Weg
ins Offene,
wo die Geistkraft weht,
wie sie will –

im Namen G*ttes,
(+) der uns schafft
und uns befreit,
und die nicht aufhört, neu zu werden.

Amen.

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