Nacht der Solidarität

Herzliche Einladung zur
Nacht der Solidarität

Freitag 18.9.2026 um 20:00 Uhr

Auch in diesem Jahr kommen wir wieder zusammen zur Nacht der Solidarität. Ein Abend, an dem wir Menschen in den Mittelpunkt stellen, die oft ausgegrenzt und an den Rand gedrängt werden.
In dem sich zunehmend verschärfenden politischen und gesellschaftlichen Klima, geraten solche marginalisierten Gruppen immer stärker unter Druck. Umso mehr ein Grund zusammen zu kommen und sich solidarisch an die Seite dieser Menschen zu stellen.

Der Abend wird gemeinsam gestaltet von der Aidshilfe, ara, dem team_queer von Sredna und auch Stefan Hippler von Hope Kapstadt wird wieder zu Gast sein. 
Musikalisch wird der Abend bereichert von Tamara Köcher.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch und zur Begegnung. Und auch für das leibliche Wohl wird gesorgt sein.

Nacht der Solidarität 18.Sept. 2026

Musik Tamara Köcher

Begrüßung und kurze Einführung (Beate QNG Sredna)
Guten Abend Ihnen und Euch allen und herzlich Willkommen zur diesjährigen Nacht der Solidarität. Ich darf sie heute stellvertretend begrüßen für alle Gruppen, die diesen Abend gemeinsam vorbereitet haben. Da wären die Aidshilfe, Ara, Hope Kapstadt und das Team vom Queeren Nachtgebet von Sredna.
Auch in diesem Jahr kommen wir wieder hier zusammen um verschiedene gesellschaftliche Gruppen in den Mittelpunkt zu stellen, die sonst eher am Rand stehen, die marginalisiert werden und mit Vorurteilen kämpfen. In dem sich weiter verschärften gesellschaftlichen Klima nehmen Anfeindungen, Übergriffe und Gewalttaten weiter zu. Bis hin zu dem schrecklichen Anschlag auf den CSD in Berlin.
Dazu kommen auch noch die die zunehmenden Kürzungen der Finanzmittel bei den unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Was die Arbeit für und mit vielen marginalisierten Gruppen noch zusätzlich erschwert.
Diese Gesamtsituation löst sicher bei vielen Menschen eine Fülle von unterschiedlichen Gefühlen aus, wie Angst oder auch Wut. Das ging und geht auch und so. Deshalb haben wir drei Begriffe und die dahinter stehenden Gefühlslagen ausgewählt um sie am heutigen Abend in den Mittelpunkt zu stellen.
Kraft, Trotz, Hoffnung.
Sie stellen die zentralen inhaltlichen Bausteine des heutigen Abends dar. Und von den verschiedenen Gruppen werden wir ganz unterschiedliche Perspektiven auf diese Begriffe hören.
Dann ist da noch ein zentraler Begriff: Solidarität.

Was das bedeutet, dazu gibt es sicher auch sehr unterschiedliche Vorstellungen.
Heute Abend hier zusammen zu kommen, ist sicher eine Form solidarisch zu sein. Aber was ist mit den anderen 364 Tagen im Jahr. Was kann Solidarität an all diesen Tagen bedeuten.
Mir ist dazu ein Zitat von Dr. Martin Luther King jr. eingefallen:
„Die eigentliche Tragödie ist nicht die Unterdrückung und Grausamkeit durch die bösen Menschen, sondern das Schweigen darüber durch die guten Menschen… und am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde“.
Für mich ist das ein Kern von Solidarität, nicht zu schweigen. nicht daneben zu stehen und taten- oder sprachlos zu bleiben, wenn wir Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung sehen oder miterleben. Nicht schweigen.
Idealerweise kann dieser Abend heute uns als Gemeinschaft näher zusammenbringen, uns mit mehr Verständnis und Wissen ausstatten und uns gestärkt in die übrigen Tage des Jahres gehen lassen. Damit wir, wenn es drauf ankommt, nicht schweigen.

Musik (Tamara Köcher)

Thema „Trotz“:

Stefan Hippler (Hope)
Trotz Gewalterfahrung, trotz vieler Jugendschwangerschaften, trotz viel Mord und Totschlag oder vielleicht deswegen trotzen viele den Erfahrungen und beginnen ein Leben aufzubauen, das sich lohnt zu leben. Auf unserem Campus The Nex – Indawo Yethu im Township Delft erleben wir, wie Kinder trotz ihrer Behinderungen es mit kleinen Hilfen schaffen, in die richtige Schule zu kommen. Wir erleben Jugendliche, die trotz Chaos zuhause einen guten Abschluss hinlegen, weil sie die Möglichkeit hatten und wahrnahmen, was wir mit all unseren Partnern auf dem Campus anbieten. Und nicht zu vergessen: die trotz HIV-Infektion als gleichwertige Menschen wahrgenommen werden und die gleichen Chancen haben. Unser Campus ist Treffpunkt für inzwischen 5 Peer-to-Peer Jugendgruppen, die mit HIV leben. Und dieses „trotz der Umstände“ macht Schule, es gibt Beispiel für andere, Motivation für andere, es zieht andere mit auf einen Weg, der gelingen kann. Es gibt genau den dritten Punkt, über den wir auch gleich sprechen werden: Hoffnung.

nern auf dem Campus anbieten. Und nicht zu vergessen: die trotz HIV-Infektion als gleichwertige Menschen wahrgenommen werden und die gleichen Chancen haben. Unser Campus ist Treffpunkt für inzwischen 5 Peer-to-Peer Jugendgruppen, die mit HIV leben. Und dieses „trotz der Umstände“ macht Schule, es gibt Beispiel für Stefan (Hope)

Raphael Platt Aids Hilfe Trier
Wenn wir über Kraft sprechen, denken wir schnell an Menschen, die durchhalten. Die sich nicht unterkriegen lassen, die weitermachen und irgendwie klarkommen. Das klingt anerkennend – kann aber auch ziemlich bequem sein. Denn oft loben wir Menschen für ihre Stärke, obwohl sie diese Stärke nur brauchen, weil wir sie mit etwas alleinlassen.

In der Aidshilfe begegnen uns Menschen, von denen ständig Kraft verlangt wird: die Kraft, mit einer Diagnose umzugehen, sich gegen Vorurteile zu behaupten, sich zu erklären oder ganz bewusst nicht zu erklären. Die Kraft, nach Diskriminierung wieder Vertrauen zu fassen. Und manchmal einfach die Kraft, einen weiteren Tag zu bewältigen.

Aber Kraft darf nicht nur bedeuten, Belastungen auszuhalten. Kraft entsteht auch, wenn Menschen sich zusammenschließen, Wissen teilen und einander den Rücken freihalten. Wenn aus einem persönlichen Problem eine gemeinsame Forderung wird.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger danach fragen, wie Menschen noch stärker werden können – und häufiger danach, was wir verändern müssen, damit sie nicht ständig stark sein müssen

Raphael Foltin Queeres Nachtgebet Sredna
Ich war im Studium oft trotzig. Als schwuler Theologe in einem Fach, das mit meinem Leben nicht immer viel anfangen konnte, wurde Trotz für mich fast zu einer Grundhaltung. Ich hab mich durch Seminare gebissen, in denen ich mich rechtfertigen musste, ich hab mitdiskutiert, wenn andere über mich diskutiert haben, ich hab mir meinen Platz erstritten, wo er mir nicht angeboten wurde. Das hat mich stark gemacht, keine Frage. Aber im Rückblick sehe ich auch: Trotz hat mich manchmal auch hart gemacht, verschlossener, kampfbereiter als ich sein wollte. Trotzdem hab ich weitergemacht, weil es keine Alternative gab, die ich akzeptieren  konnte. Heute würde ich sagen: Trotz war nötig, aber er ist teuer. Und vielleicht ist die eigentliche Aufgabe, irgendwann nicht mehr trotzig sein zu müssen – sondern einfach Ich sein zu können.

Janine Ritz (ara)
Trotz Stigmatisierung, trotz Angst vor Ablehnung, trotz Hürden im Gesundheitssystem:Sexarbeiter*innen suchen Schutz, kümmern sich um ihre Gesundheit und setzen sich für ihr Leben ein.
Als eine von HIV/AIDS besonders betroffene und oft marginalisierte Gruppe erfahren viele nicht nur gesundheitliche Herausforderungen, sondern auch gesellschaftliche Ausgrenzung. Dabei braucht es keine Vorurteile, sondern Zugang, Respekt und Begleitung.
Solidarität heißt, Menschen nicht auf ihre Arbeit oder ihre Erkrankung zu reduzieren. Sie heißt, hinzusehen, zuzuhören und dafür einzustehen, dass medizinische Versorgung und Würde für alle Menschen gelten.
Denn dort, wo wir aufhören zu urteilen und beginnen, einander wirklich zu begegnen, wird aus dem „Trotz“ eines Einzelnen eine gemeinsame Haltung: Niemand soll seine Würde allein verteidigen müssen

Heidi QNG Sredna:  Lesung Jer 29,11-13: 
Ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe, – so Gottes Spruch – Pläne des °Friedensund nicht des Unglücks; ich will euch Zukunft und Hoffnung geben. 12Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, werde ich euch hören. 13Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden; ja, wenn ihr von ganzem °Herzen nach mir fragt, 14werde ich mich von euch finden lassen.

 Musik (Tamara Köcher)

Thema „Kraft“

Stefan (Hope)
In den Townships Südafrikas arbeitend frage ich mich manchmal in einer stillen Stunde, woher die Menschen in den Townships der Cape Flats ihre Kraft nehmen. Sie erleben Gangster, Gewalt und sexuelle Gewalt, Drogen und Alkoholismus von klein auf – und oft werden genau diese verherrlicht und zum Vorbild gemacht.
Und trotzdem geht das Leben weiter, und die Kraft dazu wird oft gezogen aus ihrem Glauben, aus den Begegnungen in ihren verschiedenen Kirchen, denen sie angehören. Kraft kommt aus dem Familienzusammenhalt der Großfamilien, wo man/frau füreinander da sind. Und dieser Familienzusammenhalt gibt auch Kraft, wenn es um die sexuelle Gesundheit, um Infektionen wie HIV oder TB geht. Ja, es wird vieles nach außen hin dann verschwiegen, aber dieses Schweigen eröffnet einen

Schutzraum für den Betroffenen, die Betroffene, atmen zu können. Familie und Glaube – Kraftquellen für die Menschen, die uns bei HOPE Cape Town anvertraut sind.

Raphael P. (AHT)
Trotz ist nicht unbedingt laut. Manchmal besteht er darin, sich nicht zu schämen. Offen über Sexualität zu sprechen. Hilfe anzunehmen. Oder sich zu weigern, die Urteile anderer über das eigene Leben zu übernehmen.

Martin Niemöller schrieb darüber, was geschieht, wenn Menschen schweigen, solange immer nur die anderen betroffen sind. Sein Text endet mit dem Satz: „Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Dieser Satz wird oft zitiert. Schwieriger ist es, ihn ernst zu nehmen. Denn das würde bedeuten, nicht erst dann zu widersprechen, wenn es um uns selbst oder um Menschen geht, die uns ähnlich sind. Es würde bedeuten, auch dann den Mund aufzumachen, wenn Menschen abgewertet werden, derenLeben wir nicht verstehen, deren Entscheidungen wir nicht teilen oder deren Erfahrungen nicht unsere eigenen sind.

Aidshilfe ist aus genau diesem Trotz entstanden: aus der Weigerung, Menschen sterben zu lassen und dabei über ihre angebliche Schuld zu diskutieren. Dieser Trotz wird weiterhin gebraucht. Gegen Stigmatisierung, gegen Queerfeindlichkeit, gegen Rassismus, gegen Armut – und gegen jede Politik,die Menschen erst in „würdig“ und „unwürdig“ sortiert, bevor sie ihnen hilft

Raphael F. QNG Sredna
Kraft habe ich lange mit Kontrolle verwechselt. Ich dachte, stark zu sein heißt, keine Angriffsfläche zu bieten – alles im Griff zu haben, bevor andere es infrage stellen können. Diese Art von Kraft kostet auf Dauer mehr, als sie gibt. Was mich tatsächlich stärker gemacht hat, war fast immer das Gegenteil: der Moment, in dem ich aufgehört habe, etwas zu verbergen – zuerst vor anderen, aber vor allem vor mir selbst – und gemerkt habe, dass ich trotzdem nicht zusammenbreche. Kraft ist für mich inzwischen weniger eine Frage der Härte als eine Frage der Ehrlichkeit, gerade sich selbst gegenüber. Manchmal ist es die größere Kraft, sich selbst einzugestehen, dass man erschöpft ist, als noch einen Tag lang so zu tun, als wäre alles in Ordnung.

Janine (ara)
Kraft zeigt sich oft dort, wo sie kaum jemand sieht. In Menschen, die trotz Ablehnung ihren Wegweitergehen. In Menschen, die jeden Tag um Würde, Sicherheit und Anerkennung kämpfen. Kraft ist nicht immer laut. Manchmal zeigt sie sich im leisen Weitermachen. Im Mut, jeden Morgen aufzustehen. Im Vertrauen auf den eigenen Wert, auch dann, wenn andere ihn infrage stellen.

Viele Sexarbeiter*innen gehören bis heute zu einer besonders vulnerablen Gruppe, bezogen auf HIV und AIDS und sie erleben Ausgrenzung – nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Gesundheitssystem.
Und doch zeigt sich Kraft: im Mut, Hilfe einzufordern, für die eigene Gesundheit einzustehen und sich die eigene Würde nicht nehmen zu lassen. Solidarität bedeutet, Barrieren abzubauen, zuzuhören statt zu urteilen und dafür einzustehen, dass jeder Mensch Zugang zu Respekt, Schutz und medizinischer Versorgung hat. Mögen wir dazu beitragen, dass niemand seine Kraft allein finden muss – sondern sie auch in einer Gemeinschaft entdecken kann, die trägt, achtet und jeden Menschen in seiner Würde annimmt.

Heidi QNG Sredna:  Lesung Jer 17, 7-8:

7Gesegnet sind alle Menschen, die auf Gott vertrauen und deren Rückhalt Gott ist. 8Sie sind wie Bäume, die am Wasser gepflanzt sind. Zum Wasserlauf strecken sie ihre Wurzeln hin. Wenn die Hitze kommt, fürchten sie sich nicht. Sie behalten ihr Laub. Auch in einem Dürrejahr sind sie ohne Sorge und hören nicht auf, Frucht zu tragen.

 Musik (Tamara Köcher)

Thema „Hoffnung“

Stefan (Hope)
Hoffnung ist der Treiber aller Dinge – Hoffnung, die aufbricht im Trotz und mit Kraft möglich geworden, weil die Welt der Menschen, denen wir täglich begegnen, größer, greifbarer wird. Lernen zu dürfen in einer Umgebung, die stimuliert, Lernerfahrungen zu machen, die wirklich Denken und Wollen verändern, das ist Hoffnung. Und das nicht nur im lokalen Umfeld. Das Stichwort „Facharbeitermangel“ in Deutschland und Europa ist, ethisch und verantwortlich behandelt, ebenfalls für so manchen unsere jungen Erwachsenen ein Türöffner für eine neue Welt, die es zu erobern gibt. Und die Hoffnung ist und bleibt, dass alle, ob mit Infektionen, Krankheiten und Behinderungen leben oder auch nicht – und trotz aller Umstände, in die sie hereingeboren wurden – sie mit der Kraft ausgestattet sind und werden ihr Leben mit Würde und in Gerechtigkeit zu leben. Und das erfordert dann auch unsere Solidarität – und einfach Mit-Menschen zu sein.
Und Eure Nacht der Solidarität, an der ich seit Jahren teilnehmen darf und von der ich in Südafrika erzähle – tut uns einfach gut am Kap der guten Hoffnung. Danke.

Raphael P. (AHT)
Hoffnung ist für mich nicht die Erwartung, dass am Ende schon alles gut wird. Dafür gibt es zu viele Dinge, die nicht von allein gut werden. Rechte werden wieder infrage gestellt, gesellschaftliche Debatten werden härter, und Vorurteile, die längst überwunden schienen, stehen plötzlich wieder erstaunlich selbstverständlich im Raum.

Aber Hoffnung kann auch etwas sehr Konkretes sein. Wir wissen heute, dass HIV gut behandelbar ist. Wir wissen, dass Menschen unter wirksamer Therapie das Virus nicht weitergeben können. Wir haben Medikamente, Beratung und Schutzmöglichkeiten. Vieles, was früher Angst und Tod bedeutete, müsste heute kein Grund mehr für Ausgrenzung sein.

Und trotzdem reicht medizinischer Fortschritt allein nicht. Wissen muss zugänglich sein, Versorgung muss Menschen erreichen, und Rechte müssen verteidigt werden. Hoffnung liegt deshalb nicht darin, dass irgendjemand die Dinge für uns richten wird. Sie liegt darin, dass Veränderung möglich ist – weil sie schon einmal möglich war.

Die Geschichte der Aidshilfe zeigt das sehr deutlich: Menschen haben sich organisiert, widersprochen und füreinander Verantwortung übernommen. Nicht, weil sie sicher waren, zu gewinnen. Sondern weil Aufgeben keine akzeptable Antwort war.

Beate QNG Sredna
Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben. Ein oft gehörter Satz. Der auch schon mal wie blanker Hohn klingen kann. Und wie macht man das, die Hoffnung nicht aufgeben?
Wenn ich an queere Menschen in der katholischen Kirche denke, wie hätte man da Hoffnung haben können. Bei einer so alten Institution, mit solchen Beharrungskräfte und doch hat sich was geändert, gerade in den letzten Jahren. Queere Mitarbeitende müssen keine Angst mehr haben, entlassen zu werden oder wenn ein gleichgeschlechtliches Paar heiratet. Segnungen für homosexuelle Paare sind in einem gewissen Rahmen möglich. Das war nur möglich, weil es genügend Menschen gab, die offenbar die Hoffnung nicht verloren haben und immer und immer weiter gekämpft haben. Aber es bleibt die Frage, wie macht das, die Hoffnung nicht verlieren.

Vielleicht hilft ein Perspektivwechsel. In einem Vortrag von Miriam Budde, die Bischöfin ist in Washington, hab ich mal folgenden Satz gehört: Hoffnungslosigkeit ist für Christen keine Option. Diese Aussage ist mir lange nachgegangen und bot viel Stoff zum Nachdenken.

Und inzwischen bin ich überzeugt, Hoffnung ist nicht nur ein diffuses Gefühl, sondern etwas ganz konkretes, eine Entscheidung die wir treffen. Wir können uns entscheiden, die Hoffnung nicht aufzugeben, denn ohne sie ist es schwer vorstellbar weiter zu machen und wie klein sie auch sein mag, ist Hoffnung die Quelle für all das was dann folgen kann. Also wie schwierig und aussichtslos die Umstände auch manchmal erscheinen mögen, mein Vorschlag: entscheiden wir uns für Hoffnung.

Janine (ara)

Für viele Sexarbeiter*innen ist der Alltag geprägt von Stigmatisierung, Unsicherheit und Ausgrenzung. Als eine von HIV/AIDS besonders betroffene und im Gesundheitssystem häufig marginalisierte Gruppe erleben sie nicht nur gesundheitliche Herausforderungen, sondern auch gesellschaftliche Barrieren, die den Zugang zu Unterstützung und Versorgung erschweren.
Hoffnung bedeutet, daran festzuhalten, als ganzer Mensch gesehen zu werden – nicht reduziert auf die eigene Arbeit oder eine Diagnose, sondern mit eigener Geschichte, Würde und Stimme. Sie wächst dort, wo Menschen einander begegnen, Vorurteile hinterfragen und Strukturen verändern, die ausgrenzen.
Solidarität schenkt dieser Hoffnung Raum: durch Zuhören, durch Respekt und durch den gemeinsamen Einsatz für eine Gesellschaft und ein Gesundheitssystem, in dem niemand aufgrund seiner Arbeit oder Lebenssituation ausgeschlossen wird.

 

Heidi QNG Sredna: Lesung Jer 31, 11-13

Ja, Gott wird Jakob loskaufen, auslösen aus der Hand der Stärkeren. 12Die Menschen werden jubelnd hinauf zu Zions Höhe ziehen und über Gottes Wohltat werden sie strahlen: über Korn, Most und frisches Öl, über junge Schafe und junge Rinder. Sie werden einem wasserreichen Garten gleichen und nie mehr verschmachten. 13Dann wird sich die junge Frau beim Tanz freuen, zusammen mit Jung und Alt. Ich werde ihre Trauer in Jubel wandeln, sie trösten und sie froh machen nach ihrem Kummer

Musik (Tamara Köcher)

Schlussgebet (Stefan)

Einladung die Kerzen gemeinsam anzuzünden
Dazu Musik von Tamara

Zum Schluss wollen wir Gott um seinen Segen bitten.

Segen: jüdischer Segenspruch (Beate)

Ich wünsche uns Augen,
mit denen Ihr einem Menschen ins Herz schauen könnt und die nicht blind werden, aufmerksam zu sein auf das, was er von uns braucht.



Ich wünsche uns Ohren,
mit denen wir auch Zwischentöne wahrnehmen können,
 und die nicht taub werden beim Horchen auf das, was das Glück und die Not des anderen ist.



Ich wünsche uns einen Mund, 
der das Unrecht beim Namen nennt,und der nicht verlegen ist, um ein Wort des Trostes und der Liebe zur rechten Zeit.



Ich wünsche uns Hände, 
mit denen wir liebkosen und Versöhnung bekräftigen können,
 und die nicht festhalten, was wir in Fülle haben und teilen können.



Ich wünsche uns Füße,
die uns auf den Weg bringen, zu dem, was wichtig ist,
und die nicht stehen bleiben, vor den Schritten, die entscheidend sind.



Ich wünsche uns ein Rückgrat,
mit dem wir aufrecht und aufrichtig leben können,
und das sich nicht beugt, vor Unterdrückung, Willkür und Macht.



Und ich wünsche uns ein Herz,
 in dem viele Menschen zu Hause sind,
und das nicht müde wird, Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen.

So segne uns die Ewige. Der Vater, der Sohn und die heilige Geistkraft.
Amen

Musik (Tamara Köcher)

Und am nächsten Tag haben die Kerzen dann auch im Gottesdienst geleuchtet.

 

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