
Begrüßung:
Guten Abend,
Marc-Bernhard und ich begrüßen Euch alle sehr herzlich.
Zunächst ein technischer Hinweis: Damit ein gutes Funktionieren unseres gemeinsamen Betens gewährleistet ist, müssen alle Teilnehmend, außer der/diejenigen, die gerade nicht vorbetet oder -singt, ihr Mikrofon ausschalten, da sonst Störgeräusche auftreten.
Weiterhin benötigen wir das Gotteslob für die Lieder.
Lied: GL Nr. 422 1. u. 3. Strophe (Conny)
Ich steh vor Dir mit leeren Händen Gott …
Eröffnung durch Dreifaltigkeitszeichen und thematische Eröffnung (Heidi Rischner)
Wir beginnen unseren Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und der Hl. Geistkraft Amen.
Liebe Betphongemeinde, liebe Gäste,
wir treffen uns heute Abend hier am Telefon, um unserer lieben Petra Weiland und ihres Mannes zu gedenken. Heute Abend vor einem Jahres hat uns die Nachricht von ihrem plötzlichen Unfalltod ereilt. Es traf uns wie ein Schock.
Seitdem ist uns immer wieder bewusst geworden, wie viel jeder: von uns und die ganze Sredna-Gemeinde verloren haben. Petra besaß eine wahre Vielfalt an Begabungen, Fähigkeiten und ein gutes Zeitmanagement. Alles hat sie verschwenderisch für uns eingesetzt. Danke liebe Petra!
Kyrie-Ruf der Trauernden (Matthias)
V: Herr Jesus Christus, du hast gesagt: Ich bin die
Auferstehung und das Leben –
wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.
Herr erbarme dich.
V: Du bist uns durch Leiden und Tod vorausgegangen in das
Reich deines Vaters.
Christus, erbarme dich.
V: Du hast uns im Haus deines Vaters eine Wohnung bereitet.
Herr erbarme dich.
Lied: GL Nr. 365 (Rita)
Meine Hoffnung und meine Freude 2 x
Tagesgebet (Heidi)
Gott, du bist reich an Liebe und Vielfalt so wie Deine Schöpfung in den prächtigsten Farben leuchtet. Wir gedenken heute besonders an Petra und Fritz Weiland. Schenke ihnen die Fülle des Lebens bei Dir, die Liebe in allen Farben und schenke uns Hoffnung, die wir unsere liebgewordenen Menschen vermissen. Lass uns in dem Glaube leben, dass wir uns bei dir wiedersehen. Gib uns Liebe ins Herz, damit wir mit Dir jeden Tag dem Tod etwas entgegenhalten können. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Lesung (Beate)
Lesung aus dem Hohelied Salomons
1 Könnte dich doch jemand zu meinem Bruder machen
zum Säugling an den Brüsten meiner Mutter!
Würde ich dich draußen finden
könnt ich dich küssen und
niemand dürfte mich verachten.
2 Leiten würde ich dich
würde dich ins Haus meiner Mutter bringen
Sie ist’s ja, die mich lehrte.
Ich würde dir zu trinken geben
von gewürztem Wein
vom Saft meines Granatapfels.
3 Seine Linke – unter meinem Kopf
und seine Rechte umfängt mich.
4 Ich beschwöre euch
Frauen Jerusalems!
Was weckt ihr
und was stört ihr auf
die Liebe
bevor es ihr gefällt?
5 Wer ist sie,
die heraufsteigt
aus der Wüste
an ihren Geliebten gelehnt?
Unterm Apfelbaum
habe ich dich geweckt.
Dort lag in Wehen
deine Mutter.
Dort lag in Wehen
die dich geboren hat.
6 Leg mich
wie ein Siegel
an dein Herz
wie ein Siegel
an deinen Arm.
Denn stark wie der Tod
ist die Liebe.
Hart wie das Grab
ist meine Leidenschaft.
Ihre Flammen
Feuerflammen
Flammen Gottes.
7 Wassermassen
können die Liebe nicht löschen
und Fluten
sie nicht überschwemmen.
Würde ein Mann
allen Reichtum seines Hauses
hergeben
für solche Liebe
verachten, ja verachten
würde man ihn.
10Ich bin eine Mauer
und meine Brüste
sind wie Türme.
So bin ich
in ihren Augen
wie eine, die Frieden findet.
Den Weinberg
hat er seinen Männern gegeben.
Einer von ihnen bringt ihm
für seine Frucht
tausend Stück Silber.
für die Männer seiner Früchte.
13 Jetzt wohnst du
in den Gärten
und die Freunde
achten auf deine Stimme.
Lass sie mich hören!
Wort des liebenden Gottes!
Halleluja-Lied (Rita) Nr. 175,6 2 x
Evangelium (Mt 9,9-13) (Bruni)
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus
9 Als Jesus weiterging,
sah er einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen
und sagte zu ihm:
Folge mir nach!
Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.
10 Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war,
siehe,
viele Zöllner und Sünder kamen
und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
11 Als die Pharisäer das sahen,
sagten sie zu seinen Jüngern:
Wie kann euer Meister
zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
12 Er hörte es und sagte:
Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes,
sondern die Kranken.
13 Geht und lernt, was es heißt:
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!
Denn ich bin nicht gekommen,
um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus
Lob sei Dir Christus
Predigt (mbg)
Liebe Freundinnen und Freunde,
das erste Mal, dass ich Petra wirklich näher kennengelernt habe, haben wir gemeinsam an der Schöpfungsgeschichte gearbeitet. Es war der Auftakt einer Veranstaltung, bei der wir biblische Texte in Herz Jesu nicht nur lesen, sondern mit Leib und Seele darstellen wollten. Die Bibel sollte nicht bloß verstanden werden. Sie sollte einmal ganz durch den Körper hindurchlaufen.
Petra spielte einen Engel. Einen Engel in heller Panik. Denn in unserer Darstellung musste sie die Urlaubsvertretung Gottes übernehmen und stellte plötzlich fest, dass Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Und dann sagte sie mitten im Gottesdienst, mit ihrem wunderschönen fränkischen Dialekt: „Die sind ja nackert!“ Und Franz-Josef Tentrup, der den anderen Engel spielte, antwortete trocken: „Ja, das sind sie. Was sollen sie denn auch sonst sein?“
Noch nie habe ich die Schöpfungsgeschichte mit so viel Humor erlebt. Noch nie steckte so viel Leidenschaft in wenigen Sätzen. Noch nie wirkte diese uralte Geschichte so lebendig, so überraschend und so menschlich. Petras Freude am Detail, ihr Witz, ihre direkte Art war ihr Charisma. Sie hatte die Gabe, Dinge lebendig werden zu lassen, indem sie in liebevoller Detailarbeit den Dingen Buntheit und Schönheit verlieh.
Beruflich war sie Steuerberaterin. Sie arbeitete hart für ihr tägliches Brot. Aber sie tat das nicht verbissen. Sie tat es mit Ernsthaftigkeit und zugleich mit Freude an der Sache. Und genau diese Haltung brachte sie auch in unsere Gemeinde ein: als Vorsitzende des Verwaltungsrates, im Leitungsteam von sredna und in allen Gottesdiensten.
Petra wollte etwas gestalten. Sie wollte aus Herz Jesu etwas Besonderes machen. Und sie tat es, indem sie ein Auge für Details hatte: Essen in aller Pracht und Schönheit, bunter Dekoration und mit stetem Arbeitseifer. Petra wusste, dass Essen Leib und Seele zusammenhält und Menschen zusammenbringt. Für Petra gehörte die Agape genauso zur Kirche wie die Kommunion. Hätte Petra die Schöpfungsgeschichte geschrieben, dann hätten Adam und Eva nachdem sie von der Frucht der Erkenntnis gegessen hätten, den Auftrag von Gott bekommen, immer für andere zu kochen und zu sorgen. Für alle: in ihrer Nacktheit und Verletzlichkeit.
Die Verletzlichkeit der Menschen hat Petra immer berührt. Ich erinnere mich an eine Pfarrversammlung. Irgendwann kam die Frage auf, ob man nicht klar sagen müsse, ob jemand Mann oder Frau sei. Und Petra sagte trocken: „Ich bin jetzt schon so alt und immer noch nicht sicher, ob ich Mann oder Frau bin.“ Ich weiß noch, wie sehr mich dieser Satz zum Lachen gebracht hat. Und wie befreiend er war. Nicht, weil Petra Kategorien abschaffen wollte. Sondern weil Petra wusste, was uns als Mensch ausmacht, ist unsere Verletzlichkeit und keine Kategorien, die uns trennen. Ihr Engagement im Queeren Nachtgebet war eines von ihren vielen Engagements, um die Verletzlichkeit eines jeden Menschen in den Schutz Gottes zu stellen. Im Queeren Nachtgebet las sie den Text aus dem Hohelied als Liebeserklärung an den Menschen und an Gott, der den Menschen so vielfältig und nach Liebe sehnend geschaffen hat.
Diese große Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch drückte sich im Gott der Schöpfung aus und war für sie Nachfolge Christi.
Irgendwann erzählte sie einmal von ihrer Idee, einen Verein zu gründen, der Sexarbeiterinnen bei ihren Steuererklärungen hilft. Da war keine Wertung, sondern nur der Wunsch zu helfen und unterstützen, wo andere eher moralisch werteten. Das war Petra. Praktisch. Konkret. Ohne große Schlagworte. Mit dem Blick fürs Detail!
Eine letzte Erinnerung: In der letzten Osternacht mit Ralf las Petra die Geschichte vom Auszug aus Ägypten. Und sie las sie wie einen Kriminalroman. Man konnte die Ägypter förmlich hören. Die Jagd. Die Angst der verfolgten Israeliten. Die Bedrohung. Die Distanz zwischen Verfolgern und Verfolgten, die immer enger wurde. Nur Gott in der Wolke passte dazwischen und versperrte die Sicht. Und dann dieses Meer. Diese unüberwindbare Grenze. Kein Weg zurück. Kein Weg nach vorne. Nur Bedrängnis. Und genau dort mitten in der Bedrängnis geschieht das Wunder. Das Meer teilt sich. Die Israeliten können entfliehen. Die Ägypter mit all ihrer Macht, ihrer Gewalt und ihrem Willen zu versklaven werden vom Roten Meer verschlungen.
Mit dieser Geschichte und der Art, wie Petra sie vortrug, machte sie etwas deutlich: Wir werden die Bedrängnisse unseres Lebens nicht los. Die Trauer nicht. Die Brutalität nicht. Den Tod nicht. Die Ängste nicht. Wir werden von ihnen gehetzt wie die Israeliten von den Ägyptern.
Aber weiterzugehen, auch wenn der Abstand immer kleiner wird, nicht aufzugeben, zu vertrauen und zu kämpfen, bis das Wunder geschieht – das ist vielleicht etwas, das wir von Petra mitnehmen können.
Die Zukunft und die Hoffnung unseres Glaubens sind immer wieder die Entscheidung, vorwärtszugehen, trotz aller Widerstände. Und in diese Widerstände hinein unsere Charismen einzubringen, wie Petra es getan hat. Mit einem Essen voller Farben, Schönheit und gutem Geschmack. Mit Liebe zum Detail. Mit dem Wunsch, das Leben, das wir hier haben, trotz aller Bedrängnis zu verschönern.
Das ist ein Geschenk, das Petra uns hinterlassen hat. Und etwas, das wir in unseren Herzen bewahren sollten.
Amen.
Fürbitten
mbg: Wir wollen heute anders Fürbitte halten. Matthias wird gleich ein Gebet vortragen und dabei zündet Ihr alle eine Kerze an. Diese Kerze brennt für Petra und Fritz und für alle, die wir vermissen.
Gebet (Matthias):
Ich glaube an Gott, der die Liebe ist
und der die Erde allen Menschen geschenkt hat.
Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Stärke der Waffen,
an die Macht der Unterdrückung.
Ich glaube an Jesus Christus,
der gekommen ist, uns zu heilen,
Ich glaube nicht, dass Kriege unvermeidbar sind,
dass Frieden unerreichbar ist.
Ich glaube nicht, dass Leiden umsonst sein muss,
dass der Tod das Ende ist,
dass Gott die Zerstörung der Erde gewollt hat.
Ich glaube, dass Gott für die Welt eine Ordnung will,
die auf Gerechtigkeit und Liebe gründet,
und dass alle gleichberechtigte Menschen sind.
Ich glaube an Gottes Verheißung
eines neuen Himmels und einer neuen Erde,
wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.
Ich glaube an die Schönheit des Einfachen,
an Liebe mit offenen Händen,
an den Frieden auf Erden.
Amen
(Gebet von der Weltversammlung der Christen 1990 in Seoul)
Vater/Mutter Unser (Beate)
Gott Du bist uns Vater und Mutter im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Schluss-Segen und Ende mit Agape (mbg)
Zum Abschluss wollen wir noch einmal beten und Gott um seinen Segen bitten:
Barmherziger ewiger Gott, inmitten des Sommers stehen wir voller Erwartungen vor den Tagen, die die Früchte reifen lassen. Den Tag, den wir heute feiern, ist bitter wie das Vermissen und süß wie die Gedanken an Petra. In ihr hatten wir eine Freundin und einen Menschen, mit dem wir Deine Schöpfung feierten.
Für die vor uns liegende Zeit wollen wir Dich um deinen Segen bitten. Lebendiger ewiger Gott, segne uns und behüte uns. Ewiger Vater, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Ewige Mutter, hebe Dein Angesicht über uns und schenke uns Frieden. Amen
Geht hin in Frieden.
Wir singen jetzt noch ein Lied. Und wir laden alle ein, danach ein Glas Sekt auf Petra und Fritz zu trinken oder etwas Buntes zu essen. Im Himmel hat Petra bestimmt ein Festmahl gezaubert. Nehmen wir schon heute daran teil.
Lied: GL Nr. 470, 1., 4., 5. Strophe oder alle Strophen (Cornelia)
Wenn das Brot, dass wir teilen
