Texte der Adventsgottesdienste:

1. Advent – Ad te levavi – auf_schauen
Eröffnungsvers
Ps 25, 1-3
Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue
ich.
Lass mich nicht scheitern, lass meine Feinde nicht
triumphieren!
Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.
Meditationstext
Nicht auf die Präzision,
mit der wir unsere Apparate bedienen,
nicht auf die geschickte Ordnung,
mit der wir unseren Verkehr meistern,
sondern auf unser Herz, das sich öffnet,
auf unsere Ohren, die lauschen,
auf unsere Hände, die einander finden
und sich falten können, kurz:
Auf das eigentlich Menschliche des
Menschen kommt es in der Christnacht an.
Und im tiefsten Grunde wissen wir das auch.
Nur wenn wir den Menschen in uns retten,
kann sich Gott im Menschen offenbaren.
Gertrud von le Fort

2. Advent – „Populus Sion – bereit_machen“
Eröffnungsvers – Jes. 30, 19,30
Der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen.
Volk Gottes, mach Dich bereit.
Höre auf ihn, und Dein Herz wird sich freuen
Meditationstext
Nur nicht im Dunkel
Schmählich erschlaffen!
Im Lichtgefunkel
Leben und schaffen.
Nur im Verstecke
Nicht müd’ versiechen,
Kränkeln und kriechen —
Nur das nicht!
Richte und recke
Auf dich zum Licht!
Siegende Sonne
Hellt dir die Brust,
Wogende Wonne
Wird dir bewusst,
Unter der Decke
Ängstlicher Kleinheit
Wärmt sich — Gemeinheit;
Nur das nicht!
Richte und recke
Auf dich zum Licht!
Sowie des Lichtes
Funken sich heben,
Sieh’, des Gedichtes
Rhythmisches Schweben,
Dass es dich wecke
Aus deinen Träumen …
Zaudern und säumen?
Nur das nicht!
Richte und recke
Auf dich zum Licht!
Rainer Maria Rilke

3. Advent – Gaudete – vor_freude
Eröffnungsvers – Phil 4,4.5
Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!
Noch einmal sage ich: Freut euch!
Denn der Herr ist nahe.
Meditationstext
Es ist ein Gesang
in der Welt.
Horch doch!
Selbst die Sterne
lauschen herab.
Der Gesang
singt
zum Leben.
Er nimmt sich
Flügel
und fliegt
bis zum äußersten Ende
der Erde.
Da heben die Trostlosen
ihr Haupt.
Elende werden
Heimisch.
Waisen tragen
Königliche Kronen.
Und selbst aus verdorrten
Bäumen
weckt der Gesang
unverwelkliche Blätter.
Als die Entwurzelten
und wir wurzeln
uns ein.
Als die Verdorrenden
und wir treiben das Blatt.
Als die Saftlosen
und wir bringen die Frucht.
Als die Umherirrenden
und uns grüßt
der Stern.
Wolfgang Dietrich

4. Advent – Rorate coeli – auf_tun
Eröffnungsvers Jes 45,8
Tauet, ihr Himmel, von oben!
Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten!
Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor!
Meditationstext
Süße Ahnungsschauer gleiten
Über Fluß und Flur dahin,
Mondesstrahlen hold bereiten
Lager liebetrunknem Sinn.
Ach, wie ziehn, wie flüstern die Wogen,
Spiegelt in Wellen der Himmelsbogen.
Mondschein liegt auf allen Blumen,
Alle Palmen schlummern schon,
In der Waldung Heiligthumen
Wallet, klingt der Liebe Ton:
Schlafend verkündigen alle Töne,
Palmen und Blumen der Liebe Schöne.
Liebe, dort im Firmamente,
Unter uns in blanker Flut,
Zündet Sternglanz, keiner brennte,
Gäbe Liebe nicht den Mut:
Uns, von Himmelsodem gefächelt,
Himmel und Wasser und Erde lächelt
Ludwig Tieck
Christmette – Pur natus est – an_ge_kommen
Ein Sohn wurde uns geschenkt; man rief seinen Namen aus: Fürst des Friedens (vgl. Jes. 9, 1-6)

an_ge_kommen
Ein Wort mit kleinen Pausen.
Und jede Pause erzählt etwas:
Vom Unterwegssein,
vom Suchen,
vom Finden.
Wir sind alle unterwegs-
manchmal gehetzt, manchmal verloren.
manchmal zielstrebig, manchmal müde.
Und heute Nacht, an Weihnachten, dürfen wir für einen Moment spüren:
Wir sind an_ge-kommen.
Nicht weil alles gut ist,
nicht weil wir keine Fragen mehr haben –
sondern, weil Gott selbst ankommt.
Uns entgegen.
In der Schwachheit eines Kindes,
in der Wärme eines Blickes,
im stillen Frieden dieser Nacht.
an_ge_kommen
Gott mitten unter uns.
Wir bei ihm.
Ein leises, Jetzt.
Bruni Werner


