Morgenfeiern von Palmsonntag bis Pfingsten, 8:30 Uhr

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2. Sonntag in der Osterzeit
Sonntag, 11. April, 8.30 Uhr

Begrüßung: Elke

Liebe Betphongemeinde,
heute am Weißen Sonntag, hören wir das Jesus, der auferstandene Christus, den Jüngerinnen und Jüngern erscheint. Dieser Sonntag wird auch als Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit gefeiert – und auch wenn ich mit der Vorstellung von Sr. Faustina persönlich nicht viel anfangen kann, ist Barmherzigkeit etwas, das wir immer wieder bauchen und worin wir uns selber üben müssen.
Papst Franziskus hat im vergangenen Jahr bei seiner Messe zum Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit betont, dass die Barmherzigkeit Gottes „die Hand“ sei, „die uns immer aufrichtet“: Gott werde nie müde, so der Papst, „uns die Hand zu reichen, um uns aufzurichten, wenn wir fallen.“
Er hat damals schon gewarnt, „die zu vergessen, die zurückgeblieben sind“, ebenso wie vor dem Risiko, vom „Virus“ des „gleichgültigen Egoismus“ angesteckt zu werden, mit dem behaftet man den anderen nur nach seinem Nutzen bewerte und die Armen und Verletzliche auf dem Altar des Fortschritts opfere. Bei all den Diskussionen um Impfstoff, Veröffentlichungen über Segnungen und Verbote diese zu feiern, stelle ich mir die Frage: Was hätte Jesus getan?
Sicher weder ausgegrenzt noch Menschen, ihre Verantwortung einander gegenüber oder ihre Liebe als nicht gottgewollt und wertvoll bezeichnet.
Beginnen wir unseren Gottesdienst:
Im Namen des Barmherzigen Gottes, seines Auferstandenen Sohnes und des Heiligen Geistes, der uns als Lebens- und Liebeskraft eingehaucht ist. AMEN

Lied: Wir wollen alle fröhlich sein GL 326, 1-2 Kathrin

Gebet: Rita
Guter Gott, in deiner Liebe schenkst du der Kirche und uns allen neues Wachstum. Wache über das Volk, das du dir erwählt hast, bewahre alle Getauften in deiner Gnade und bekleide uns, die wir auf der Suche nach dem Leben in Fülle sind einst mit dem Gewand der Unsterblichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, Bruder und Freund, AMEN

Danket Gott, denn er ist gut  GL 402, 1-4


Evangelium: Marianne                     Joh 20, 19–31

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Dídymus – Zwilling – genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Predigt: Elke

Nach der unglaublichen Botschaft der Frauen, dem Rennen von Simon Petrus und dem Lieblingsjünger und der Nachricht Jesus ist den Jüngerinnen und Jüngern nach Galiläa vorausgegangen kommt dieser Text.
Die Jünger und Jüngerinnen verstecken sich ängstlich und fürchten, dass es ihnen ähnlich ergehen wird wie Jesus.
Kennen wir das nicht auch? Es geschehen Dinge in unserem Leben und in unserer Gesellschaft und wir ducken uns ängstlich weg.
Wenn
Homosexuelle Menschen diskriminiert und verprügelt werden,
Menschen rassistischen Attacken zum Opfer fallen,
Kinder missbraucht, verprügelt, klein gemacht werden
Männer und Frauen verkauft und versklavt werden
rechte Parolen – scheinbar ungestraft – wieder in unseren Städten und Straßen gebrüllt werden.

In der Situation der Gemeinschaft, die sehr hoffnungsvoll mit Jesus auf dem Weg war, Reich Gottes zu bauen, ist es verständlich, dass sie sich zurückziehen und einsperren. So frei wie wir unsere Meinung heute aussprechen dürfen konnten sie das vor 2000 Jahren nicht tun. Aber sie bleiben nicht alleine, denn Jesus kommt und spricht ihnen zu: „Friede sei mit euch!“ In der Situation der Herrschaft Roms über Israel und den Großteil der übrigen bekannten Welt war das sicher keine selbstverständliche oder alltägliche Botschaft – und doch war und ist es genau was Gott uns immer wieder zuspricht: Meinen Frieden gebe ich euch: ein Friede den die Welt nicht geben kann, das Leben nach dem Tod. Die Gewissheit, dass der Tod ein für allemal besiegt ist, dass Jesus uns den Weg zu Gott eröffnet hat und wir leben dürfen.

Mit der Erfahrung, dass der Auferstandene erschienen ist, ihnen den Frieden schenkt, zweimal sogar, werden die Jüngerinnen und Jünger gesandt: „So wie der Vater mich gesendet hat, sende ich euch.“ Heißt es im Text. Soweit so gut.
Aber: Jesus bleibt nicht bei ihnen und Thomas, der Zwilling, der Zweifler, kommt zu den anderen zurück.

Er ist eine meiner Lieblingsgestalten im Evangelium, weil ich so gut nachvollziehen kann, wie es ihm ergeht: die zusammen waren erzählen ihm von einer „Erscheinung“, der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und seine Antwort passt so gut … wenn er, also für mich – Elke gesprochen – wenn ich nicht selber sehe und BEGREIFEN kann, was da passiert ist, lasse ich mich von „den anderen“ doch nicht durch irgendwelche seltsamen Erzählungen beeinflussen und „einwickeln“!

Schon gar nicht, wenn ich und die anderen auch Angst vor dem haben was uns selbst noch geschehen kann. Im verschlossenen Haus waren sie voller Furcht vor den Juden …
Und dann sagt Thomas was ich vielleicht so ähnlich auch gesagt hätte: Wenn ich ihn nicht selber sehe, und „greifen“ kann, dass er da ist und dass ER es wirklich ist, dann glaube ich euren Spinnereien nicht!
Genau eine Woche danach passiert es wieder: Thomas, der zweifelnde Jünger ist – zum Glück – mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen im Haus und Jesus erscheint ihnen.

Dabei wird Thomas nicht – wie es vor der Auferstehung den Pharisäer so oft gesagt wird vorgehalten dass sie ungläubig sind und, dass sie keine Zeichen erbitten sollen, sondern Jesus geht auf ihn zu, zeigt ihm seine Wunden und fordert ihn dazu auf, sie anzufassen, um wirklich zu BEGREIFEN, dass ER, der Herr da ist – auferstanden von den Toten – damit der Weg den sie alle mit ihm gegangen sind weitergeführt werden kann.
Ich finde das ist ein starkes Zeichen: auch – vielleicht auch gerade weil sie so unerhört ist – dürfen die Jüngerinnen und Jünger nach der Auferstehung ihre Zweifel, Fragen und Furcht zeigen, weil sie nicht mehr mit Jesus unterwegs sind, sondern jetzt scheinbar alleine weitermachen müssen.
Jesus, der Auferstandene, wendet sich ihnen zu, damit sie – und wir auch – die Möglichkeit bekommen zu sehen, dass das Neue Leben da und wahr ist und dass wir alle in Christus darin aufgenommen sind. Und das bei allen Unzulänglichkeiten, Ängsten, Fragen und Zweifeln.

Ich finde es einerseits sehr tröstlich und ermutigend, dass ich mit meinen Zweifeln, Ängsten, Sorgen und Befürchtungen da sein darf, sie aussprechen kann und dass es Jesus ist, das mir sagt: Ja, ich bin da und bleibe bei dir! Du meine geliebte Tochter, du mein geliebter Sohn bist ausgesendet, das Reich Gottes zu verkünden und zu bauen … und dazu sende ich jedem und jeder einzelnen von euch den Heiligen Geist. andererseits ist uns bleibt es mein, und dein und Ihr , UNSER Auftrag, zu verkünden dass Jesus für jeden und jede von uns lebt, gestorben und auferstanden ist, damit wir mit ihm an einer besseren Welt bauen und das Leben in Fülle haben. Amen.

Fürbitten: Heike Recken – de Roi

Geheimnisvoller Gott,

auch durch die vergangene Woche bist du mit uns gegangen; geheimnisvoll und oft unerkannt. Aber, so glauben wir, dennoch voll Mitgefühl und Liebe. Manchmal störst Du uns, Gott, und machst Dich bemerkbar.

Gestern sind sogenannte „Queerdenker“ hupend durch die Stadt gefahren. Zur Lösung der Corona-Krise leisten sie keinen wahrnehmbaren Beitrag. Aber auch die Vielstimmigkeit in der Politik in Bezug auf die Anti-Corona-Maßnahmen ist verwirrend und zehrt an den Nerven. Alle meinen es gut – und doch müssen sich die Verantwortlichen auf eine gemeinsame Strategie einigen.
Welchen Beitrag können wir persönlich leisten?

(Stille) Geheimnisvoller Gott – wir suchen Dich!

Wieder werden die indonesischen Inseln vom Hochwasser heimgesucht. Unzählige Dörfer versinken im Schlamm. Menschen sterben, andere verlieren ihr Hab und Gut, ihre Lieben, den Sinn ihres Lebens. Wir wollen an ihrer Seite sein – in unserem Gebet und Gedenken.

(Stille) Geheimnisvoller Gott – wir suchen Dich!

Zum zweiten Mal können durch Corona die Erstkommunionen nicht so gefeiert werden, wie die Kinder und Familien es möchten und wie es seit vielen Jahren und Jahrzehnten üblich ist.
Andererseits wird immer deutlicher, dass an der Feier der Erstkommunion schon seit Jahrzehnten etwas nicht mehr stimmt: sie sind nicht der Anfang einer intensiven Beziehung zu Jesus, die ein Leben lang weiterwächst.
Trotzdem wurde für die Kinder bei ihrer Taufe der Horizont eines Lebens mit Gott eröffnet. Sie tragen den Namen Christi.

Wir suchen in unserer Pfarrei einen neuen, anderen Weg, der den Kindern zeigt, dass Du, Gott, die Kinder liebst. Wir begleiten die Kinder und Familien, wenn sie einen Schritt weitergehen und das Sakrament des Altares entdecken wollen. Segne unsere Suche nach einem überzeugenden Weg!

(Stille) Geheimnisvoller Gott – wir suchen Dich!

So viele Menschen treten aus in Deutschland und anderswo aus der Kirche aus. Mag sein, dass es am Anfang ein Protest gegen den Machtapparat ist – mit der Zeit könnte aber auch der Abstand zum Evangelium Jesu größer werden.
Wie können wir, die bleiben, eine ehrliche Weggemeinschaft anbieten?

(Stille) Geheimnisvoller Gott – wir suchen Dich!

Der Tod hat so viele Gesichter und der Tod von Menschen wird sehr unterschiedlich gewürdigt. Für Prinz Philipp von England und für Hans Küng gibt es Sondersendungen und unzählige Nachrufe.
Andere sterben ohne Beistand, ohne Aufmerksamkeit und ohne Würde.
Gut, dass die Namen ALLER eingeschrieben sind in deine Hände.

(Stille) Geheimnisvoller Gott – wir suchen Dich!

Thomas nannte Jesus: „Mein Herr und mein Gott“,
nachdem er seine Wundmale berührt hat. So zeigt er sich bis heute.
Wir suchen dich – „unser Herr und unser Gott!“ Amen.

Lied: Bleibe bei uns, GL 325, 1-3 Kathrin

Gebet: Rita
Jesus, Christus, auferstandener Herr, mit der Sterblichkeit bekleidet bist du unseren Weg gegangen und hast uns in deinem Leiden und Tod durch die Auferstehung den Weg zum Leben geöffnet. Lass uns in Zeiten des Zweifels wie Thomas erkennen, dass du uns begleitest und uns vorausgehst. Wir beten das Trierer Pilgergebet: Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt,
Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen was getrennt ist. AMEN

Guter Gott, in allen Zweifeln dürfen wir uns an dich wenden, unsere Fragen, Sorgen, Ängste unsere Wut, den Ärger und die Verzweiflung zeigen und ausdrücken: Schenke uns immer wieder deine Nähe und die Erfahrung, dass du mit uns auf dem Weg bist.
Segne uns heute und alle Tage: im Namen des Vaters, deines auferstandenen Sohnes und des Heiligen Geistes. AMEN

Das leere Grab (Jesus lebt) – YouTube (P. Norbert Becker)

 

 

Palmsonntag, 28. März 8:30 Uhr

Einstimmung: Jesus Christ, Hosanna

Begrüßung (Ralf)

Liebe Schwestern und Brüder,

mit der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem beginnen wir die Feier der Heiligen Woche. Ich heiße Sie herzlich willkommen.

Gezittert haben wir in den letzten Tagen, ob wir die Heilige Woche feiern müssen wie im letzten Jahr – oder ob wir zum Gottesdienst auch hier in der Kirche zusammenkommen. Sicher, unser Betphon ist eine Alternative geworden – eine andere, neue Gemeinde ist entstanden…

Manch ein Zeitgenosse, eine Zeitgenossin schüttelt mitleidig den Kopf, besonders nach all den Skandalen und selbstgemachten Katastrophen, nach all dem Leid, das unter dem Anspruch des Kreuzes den Menschen zugefügt wurde – und immer noch zugefügt wird: Was habt Ihr denn an diesem Klamauck? An diesem Theater? Schüttelt das Mittelalter endlich ab, lasst es hinter Euch… Werdet endlich erwachsen!

Irgendwie nagt der Zweifel auch an dem ein oder anderen von uns: mache ich mich zum Komplizen, zur Komplizin all der Missetaten, die im Namen oder wenigstens unter dem Kreuz begangen wurden und begangen werden?

Die einen sehnen sich nach einem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem, um der Welt zu zeigen, wer der wahre König ist – und wer am Ende recht bekommt. Die anderen genieren sich, und wollen gerade das nicht – keine triumphalen Gesten, die die Aggressionen schüren oder den Glauben der Lächerlichkeit Preis geben.

Im Markusevangelium sind es nur die Jünger Jesu, die vor und hinter ihm herlaufen. Es ist eben nicht die ganze Stadt, die dem Messias huldigt. Er nimmt nicht den Tempel oder die Königsburg in Besitz… er ist und bleibt für die nächsten Tage einer unter Vielen. Er gerät in Konflikt mit den religiösen Autoritäten, weil er einen ganz anderen Gott und eine ganz andere Herrschaft verkündet – und verkörpert.

Auch wenn unsere Sehnsucht nach Stärke und Glanz und Hoffnung und einer positiven Perspektive groß ist – wir dürfen aus Jesus nicht zum Erfüllungsgehilfen unserer Träume machen. Wir müssen umgekehrt – ihm zuhören, ihn führen lassen, uns mitnehmen lassen, hinter ihm her.

Feiern wir in diesem Sinn und in dieser Absicht unseren Palmsonntag im Jahr 2021. Im Namen des Vaters. 

Gesang: Singt dem König Freudenpsalmen, GL 280,1.3.4

Gebet

Allmächtiger Gott,
deinem Willen gehorsam, ist dein Sohn Jesus Christus, Mensch geworden.
Er hat sich selbst erniedrigt
und sein Kreuz angenommen.
So wurde er unser Erlöser.
Gib uns die Kraft,
ihm auf dem Weg des Leidens zu folgen,
dass sich an uns
das Geheimnis der Auferstehung ereignet.
Darum bitten wir durch ihn, Christus unsern Herrn.

Lesung: Jes 50

Lesung aus dem Buch Jesája.

4Gott, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern,
damit ich verstehe,
die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.
Jeden Morgen weckt er mein Ohr,
damit ich höre, wie Schüler hören.
5Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.
Ich aber wehrte mich nicht
und wich nicht zurück.
6Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen,
und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen.
Mein Gesicht verbarg ich nicht
vor Schmähungen und Speichel.
7Und Gott, der Herr, wird mir helfen;
darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel;
ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.

 Gesang: Jesus Christus ist der Herr

Einführung in die Leidensgeschichte nach Markus

Jeder Evangelist erzählt die Leidensgeschichte Jesu aus seiner Sicht.  Im Markus-Evangelium ist die Leidensgeschichte Jesu zentral – und das ganze Evangelium liest sich wie eine Hinführung zur Leidensgeschichte. Es ist die Antwort auf die Frage: Wer stirbt da?  Und: Welchen Sinn hat sein Tod?

Markus komponiert die Zeit Jesu in Jerusalem im Schema von 7 Tagen.

Jeweils am Morgen geht Jesus vom Ölberg aus nach Jerusalem. Am Ölberg liegen Betfage und Betanien. Dort wohnen seine Freunde. Von dort geht er in die Stadt hinein.

Nur eine Nacht verbringt Jesus in Jerusalem – als er das Abschiedsmahl mit seinen Jüngern feiert. In dieser Nacht wird er verhaftet. Am letzten Tag werden nicht nur die Tage, sondern sogar die Stunden durchgezählt. Am siebten Tag herrscht Grabesruhe.

Der Gegensatz ist unübersehbar: Am Ende des Schöpfungswerkes in 7 Tagen steht das volle pralle Leben, so wie Gott es geschaffen hat, ein wohl geordnetr Kosmos – nach den 7 Tagen in Jerusalem steht Jesus und die Seinen vor einem Scherbenhaufen.

Was kann, was soll aus dem Gottesreich werden?

Markus löst diesen Widerspruch nicht auf, nur zwischen den Zeilen gibt es Andeutungen aus den Schriften des Ersten Testaments, dass es wohl einen verborgenen Willen Gottes gibt.

Da ist das Bild vom leidenden Gerechten.

Er ist von Gott gesandt – inmitten von Feinden und bösen Menschen, die seinen Tod wollen. Er hofft und glaubt, dass Gott sich am Ende auf seine Seite stellt. Wir haben es gerade in der Lesung gehört: Der Herr wird mir helfen, darum werde ich nicht in Schande enden!“

In dem Aufrichten des Kreuzes kommt ein Sieg zum Ausdruck, den der Sohn der Menschen errungen hat. Und dieser Sieg weist weit über die geschichtliche Situation hinaus: der ganze Kosmos ist einbezogen: Finsternis, der laute Schrei des Sterbenden, das Zerreißen des Tempelvorhangs – diese Zeichen weisen auf das Ende der Welt, nicht nur auf den Tod des Menschen Jesus von Nazareth. Hier eröffnet der Menschensohn und Gottessohn den Blick in die Zukunft.

Aber nur dem römischen Hauptmann gelingt der Glaube mit dem Blick nach vorn: Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn! Nach der Grabesruhe beginnt eine andere Zukunft, am ersten Tag der Woche….

Markus bietet uns diesen Glauben an – er ermutigt uns, in all den Widersprüchen die Hoffnung nicht aufzugeben, dass Jesus an unserer Seite ist und bleibt. Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn!

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Markus

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Markus.

1) Das Verhör vor Pilatus

1E Gleich in der Frühe fassten die Hohepriester,

die Ältesten und die Schriftgelehrten,
also der ganze Hohe Rat,
über Jesus einen Beschluss.

Sie ließen ihn fesseln und abführen
und lieferten ihn Pilatus aus.
2Pilatus fragte ihn:
S Bist du der König der Juden?
E Er antwortete ihm:
Du sagst es.
3E Die Hohepriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor.
4Da wandte sich Pilatus wieder an ihn
und fragte:
S Willst du denn nichts dazu sagen?
Sieh doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen.
5E Jesus aber gab keine Antwort mehr,
sodass Pilatus sich wunderte.

6Jeweils zum Fest

ließ Pilatus einen Gefangenen frei,
den sie sich ausbitten durften.

7Damals saß gerade ein Mann namens Bárabbas im Gefängnis,
zusammen mit anderen Aufrührern,

die bei einem Aufstand einen Mord begangen hatten.

8Die Volksmenge zog zu Pilatus hinauf
und verlangte, ihnen die gleiche Gunst zu gewähren wie sonst.
9Pilatus fragte sie:
S Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?
10E Er merkte nämlich,

dass die Hohepriester Jesus nur aus Neid
an ihn ausgeliefert hatten.

11Die Hohepriester aber wiegelten die Menge auf,

lieber die Freilassung des Bárabbas zu fordern.

12Pilatus wandte sich von Neuem an sie
und fragte:
S Was soll ich dann mit dem tun,

den ihr den König der Juden nennt?

13E Da schrien sie:
S Kreuzige ihn!
14E Pilatus entgegnete:
S Was hat er denn für ein Verbrechen begangen?
E Sie aber schrien noch lauter:
S Kreuzige ihn!
15E Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen,

Bárabbas frei.

Jesus lieferte er,

nachdem er ihn hatte geißeln lassen,
zur Kreuzigung aus.

2) Die Verspottung Jesu durch die römischen Soldaten

16E Die Soldaten führten ihn ab,

in den Hof hinein, der Prätórium heißt,

und riefen die ganze Kohórte zusammen.
17Dann legten sie ihm einen Purpurmantel um
und flochten einen Dornenkranz;
den setzten sie ihm auf
18und grüßten ihn:
S Sei gegrüßt, König der Juden!
19E Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf
und spuckten ihn an,
beugten die Knie
und huldigten ihm.
20aNachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten,

nahmen sie ihm den Purpurmantel ab
und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Kreuzweg und Kreuzigung

20bE Dann führten sie Jesus hinaus,

um ihn zu kreuzigen.

21Einen Mann, der gerade vom Feld kam,

Simon von Kyréne,
den Vater des Alexander und des Rufus,
zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.

22Und sie brachten Jesus an einen Ort namens Gólgota,
das heißt übersetzt: Schädelhöhe.
23Dort reichten sie ihm Wein, der mit Myrrhe gewürzt war;
er aber nahm ihn nicht.
24Dann kreuzigten sie ihn.
Sie verteilten seine Kleider,

indem sie das Los über sie warfen,
wer was bekommen sollte.

25Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
26Und eine Aufschrift gab seine Schuld an:
Der König der Juden.
27Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber,
28den einen rechts von ihm, den andern links.

3) Die Verspottung Jesu durch die Schaulustigen

29E Die Leute, die vorbeikamen,

verhöhnten ihn,

schüttelten den Kopf
und riefen:
S Ach, du willst den Tempel niederreißen
und in drei Tagen wieder aufbauen?
30Rette dich selbst
und steig herab vom Kreuz!
31E Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester
und die Schriftgelehrten
und sagten untereinander:
S Andere hat er gerettet,
sich selbst kann er nicht retten.
32Der Christus, der König von Israel!
Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen,
damit wir sehen und glauben.
E Auch die beiden Männer,

die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden,
beschimpften ihn.

Der Tod Jesu

33E Als die sechste Stunde kam,

brach eine Finsternis über das ganze Land herein –

bis zur neunten Stunde.
34Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme:
Éloï, Éloï,
lema sabachtáni?,
E das heißt übersetzt:
Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
35E Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten:
S Hört, er ruft nach Elíja!
36E Einer lief hin,
tauchte einen Schwamm in Essig,
steckte ihn auf ein Rohr
und gab Jesus zu trinken.
Dabei sagte er:
S Lasst,
wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihn herabnimmt.
37E Jesus aber schrie mit lauter Stimme.
Dann hauchte er den Geist aus.

38E Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile

von oben bis unten.

39Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand,

ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er:

S Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.

(Stille)

Gesang: Wir danken dir, Herr Jesus Christ GL 297,1-4

Fürbitten

Ach Gott,
das Leiden macht uns sprachlos:
das ungerechte Leiden deines Sohnes, sein früher, gewaltsamer Tod –
und das Leiden von so vielen auf unserer Erde –
Menschen, die mit uns diesen Planeten bevölkern.

(Stille – 10 Sekunden).

So viele Corona-Neuinfektionen gibt es in Brasilien;
und in anderen Ländern des Südens.
Überall gibt es unfähige Regierungen, Korruption und die Weigerung,
die Pandemie wirklich ernst zu nehmen –
und um Menschenleben zu kämpfen,
besonders um das Leben der Armen.

(Stille – 10 Sekunden).

Aber auch bei uns, Gott, mehren sich die Zweifel an dem,
was die Regierenden in Berlin und in Mainz
und vielleicht auch in Trier beschließen.
Sicher, es gibt keine Vorerfahrungen.
Die Meinungen gehen auseinander –  2 Wissenschaftler, 3 Meinungen.
Und keiner von uns könnte es besser machen.
Aber das „Hin und Her“ macht Menschen eben nicht mehr nur ratlos,
ondern auch wütend.
Wie soll es weitergehen?

(Stille – 10 Sekunden).

Die Bilder des gestrandeten Schiffs im Suez-Kanal
machen deutlich, wie abhängig wir vom globalen Handel sind.
Warenströme fließen zu uns – und fließen von uns weg.
Der Handel ist störungsanfällig – und damit unser Wohlstand.

Was ist mit denen, die abseits der Handelsströme liegen?
Die nicht teilhaben an den Segnungen des Wohlstands?
Was ist mit denen, die in ihren winzigen Booten
hilflos und perspektivlos auf dem Mittelmeer treiben?

(Stille – 10 Sekunden).

Schon seit einiger Zeit wird deutlich,
wie sehr in unserer Kirche der Glaube der Gläubigen
und die Lehre des Vatikans auseinander triften.
Wir lassen sich nicht mehr abspeisen mit Lehrsätzen,
die nichts mehr mit ihrem Leben zu tun haben,
in denen wir uns nicht mehr wiederfinden können.
Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben,
verstecken sich schon lange nicht mehr.
Wenn der Vatikan nur die „ewigen Wahrheiten“ wiederholt,
fühlen sie sich diskriminiert und beleidigt.
Das kann nicht in deinem Sinn sein, Gott. Oder?

(Stille – 10 Sekunden).

In dieser Nacht hat die Sommerzeit angefangen.
Es gibt Menschen, die auf diese Umstellungen empfindlich reagieren.
Es gibt Menschen, die nachts keinen Schlaf finden,
weil sie sich sorgen – weil sie traurig sind –
weil der Platz neben ihnen leer ist.
In mancher Nacht regen sich Gedanken,
ob sich das eigene Leben überhaupt lohnt.

(Stille – 10 Sekunden).

Ach Gott,
in der Feier der Heiligen Woche versuchen wir wieder
in der Geschichte Jesu unsere eigene Geschichte zu sehen
und umgekehrt. Halte uns an seiner Seite – durch deinen Geist.
Gib uns nicht auf! Amen.

Vater unser
Vaterunser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel
so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Gebet und Segen

Lied zum Schluss: Holz auf Jesu Schulter GL 291,1-

 

Jesus Christ, Superstar: I don’t konw how to love him

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