MACHE DICH AUF oder ARSCH HUH… Queeres Nachtgebet am 6. Mai um 20:30

 

 

Begrüßung (Ralf)

 Un övverhaup:
wie wört et
wemmer selver jet däät,
Wemmer die Zäng ens ussenander kräät?
Wenn mir dä Arsch nit huh krieje,
Ess et eines Daachs zu spät.

Jetzt jilt et:
Arsch huh, Zäng ussenander,
Jetz, nit nähxte Woch!

 Leev Minsche, liebe Menschen,
diese Worte sind – selbst für einen Rheinländer –
hier in Trier ein Zungenbrecher….
und ich entschuldige mich bei allen,
denen mein Vortrag in den Ohren weh getan hat….

Wir dachten im Queeren Team sredna-herzjesu trotzdem,
dass es dieses Stück und diese Worte sein müssen –
im Queeren Nachtgebet im Rahmen der Heilig-Rock-Tage 2022,
die unter dem braven Motto stehen:
„Mache dich auf!“

Sicher geht es darum,
sich „aufzumachen“ –
im doppelten Sinn des Wortes:
„sich öffnen“ und „losgehen“….

Ja, öffne dich – Mutter Kirche,
für deine queeren Kinder –
öffnet euch, christliche Gemeinden,
für queere Glaubende und Suchende,
und Hoffende.

Ja, mach dich auf, verfasste Kirche –
rede mit uns, nicht über uns,
höre unseren Geschichten zu,
lass dich berühren,
kehre um, ändere deine Lehre, deine Gesetze –
damit das Reich Gottes wachse –
in allen und allem.

Aber dazu braucht es einen Impuls,
einen Anstoß – einen Schubs…
Woher sollte der kommen,
 wenn nicht von uns….

Dazu müssen wir uns
aus der Comfortzone bewegen,
aus dem Schneckenhaus,
aus den Sicherheiten –
und aus den Kompromissen…

Dazu müssen wir uns bewegen –
auf den Weg machen.
Und den Mund auf –
sagen die von „Köln gegen rechts“, 1992.

Arsch huh, Zäng ussenander,
jetz, nit nächste Woch!

Das haben im letzten Jahr
schon ein paar Menschen gemacht –
die gut 100 Frauen,
die sich zum Priesterinsein berufen fühlen –
in dem Buch „Weil Gott es so will“…
herausgegeben von Schwester Philippa Rath aus Eibingen,
die uns im letzten Jahr hier in ihren Bann gezogen hat  –
in dem Buch „Frauen ins Amt“ –
in dem über 100 Männer diese Forderung unterstützen,
darunter 7 Bischöfe und ein Kardinal,
und ich !

 4 Bücher haben wir übrigens noch zum Autor*innen-Preis von je 15 € in der Sakristei – also: nachher einfach bei mir melden

Und das haben über 100 Kirchenmenschen
in diesem Jahr mutig und tapfer getan – bei outinchurch –
Gemeindereferent Andreas Diegler
hat hier im März davon berichtet.
Schön, dass Du heute Abend da bist, Andreas!

Und auch wir hier
haben mit den mittlerweile 12 queeren Nachtgebten
den Arsch – ein bisschen – hochbekommen
und die Zähne auseinander gekriegt –
nicht zuletzt bei den Vorbereitungstreffen,
wo manchmal die Fetzen fliegen…

Und das machen auch wieder dadurch,
dass wir uns an den Segnungsgottesdiensten
unter der Überschrift „Liebe gewinnt“ beteiligen,
zusammen mit Gottesdienstgemeinschaften in 73 Kirchen und virtuellen Orten  irgendwo in Deutschland.

Der Arbeitskreis mit dem begeisterten Namen
„Geschlechtliche und sexuelle Identitäten in der Pastoral“
hatte einen Infostand direkt vor dem Dom.
Bischof Ackermann und Dirketorin Schabo
dort und haben sich informiert und diskutiert.
Ob das der „Aufschlag“ für eine Weiterentwicklung ist,
wird sich zeigen.

Wir bauen dabei auf den Aktionen auf,
die es Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre schon gegeben hat,
auch hier Trier:
die Gruppe Homosexuelle und Kirche,
die als „Oase“ mit anderem Namen und anderer Zielsetzung immer noch besteht….
eine schwule Priestergruppe, die sich jahrelang getroffen hat,
mit über 20 Teilnehmenden – unter dem klangvollen Namen „Spital“:
schwule Priester in Trier am Leben….

Ein Bischof Spital,
der von den Trierer Psychologieprofessor*innen, wissen wollte,
was Homosexualität – und was nicht.  Vor über 30 Jahren.

Diese großartigen Anfänge sind
durch Päpste, Bischöfe und Kirchenverwaltungen
zunichte gemacht worden.
Sie wurden als „unkatholisch“ und „gottlos“
vertrieben, verfolgt, ex-kommuniziert.
Sie überlebten – wenn überhaupt – in Nischen und im Untergrund.

Und jetzt ist wieder so ein Moment, ein Kairos,
Jetz jilt et:
Arsch huh, Zäng ussenander –
jetz, nit nächste Woch!

Leev Mensche,
Gott* hat uns bunt und vielfältig geschaffen –
als Einzelne und zusammen sind wir
Abbild der Vielfältigkeit Gottes.

Stellen wir uns heute Abend bewusst
in die göttliche Gegenwart – im dem Zeichen des Kreuzes:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Thematisches Gebet (Marc-Bernhard)

Guter Gott, voll Wut und Mut,

voller Anspannung und Hoffnung,

voller Angst und voller Tatendrang

stehen wir vor Dir und beten:

 

Es wird der Tag sein,
an dem wir die Liebe, die Freiheit und das Leben feiern
Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still
Ein Tag, als hätte man gewonnen
Dieser Tag wird kommen

 

Doch vorher wird es wirklich Zeit, dass wir selber etwas tun,
Dass wir den Mund endlich aufbekommen ohne ihn selbst zu voll genommen
und den Arsch hochkriegen, anstatt auf der faulen Haut zu liegen

Mit Dir, Gott, und dieser Welt, unserer Kirche und Gesellschaft zu streiten,

dann wird der Tag kommen.

Amen.

Mt 15,21-28: Der Glaube der syrophönizischen Frau

 Jesus ging weg von dort und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.

22 Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.

23 Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her!

24 Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

25 Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!

26 Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.

27 Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.

28 Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

Auslegung (Beate)

 

Mach dich auf, lautet das Motto der Heilig Rock Tage oder wie wir es interpretiert haben: „Arsch huh – Zäng ussenander“. Ein eher kämpferisches Motto für unser Gebet heute Abend.
Und dann dieser Text, wo sich wieder mal eine Frau vor einem Mann niederwirft? Klingt nicht sehr kämpferisch: Auf den ersten Blick, vielleicht eine etwas seltsame Wahl. Es lohnt sich aber wohl ein zweiter, genauerer Blick auf den Text.

Jesus hat sich zurückgezogen in das Gebiet von Tyrus und Sidon. Er sucht wohl Ruhe, nach den vorherigen Auftritten vor großen Menschenmengen. Es scheint als erhoffe er sich dort diese Ruhe, in einem Gebiet von Menschen, die für ihn Heiden sind. Er interessiert sich nicht für sie und erwartet wohl auch das gleiche Desinteresse von ihrerseits. Aber allem Anschein nach, hat sich auch bis in dieses Gebiet schon herrumgesprochen, wer dieser Jesus ist. Denn ausgerechnet dort spricht Ihn diese, leider namenlose Frau, an und scheint sehr genau zu wissen wer dieser Mann ist. Sie spricht es klar und deutlich aus. „Herr, du Sohn Davids“. Ein klares und eindeutiges Bekenntnis. Sie weiß genau wem sie da gegenüber steht und deshalb setzt sie all ihre Hoffnungen in ihn. Sie ruft laut um Hilfe für ihre Tochter. Aber Jesus verhält sich ganz anders als erwartet oder erhofft. Er ignoriert sie einfach, er geht weiter und behandelt sie wie Luft. Das muss ziemlich ernüchternd und sicher auch enttäuschend gewesen sein. Aber sie lässt sich davon nicht beirren. Sie schreit Jesus hinterher und wieder ignoriert er die Frau einfach. Er verhält sich arrogant und grenzt sie aus. Sie gehört nicht zum Volk Israel und geht ihn deshalb nichts an. Er hält unbeirrt an seinem Auftrag fest.

Und sie, sie gibt ihrerseits auch nicht auf. Sie kann diese, wohl einmalige Chance, nicht einfach so vorüber ziehen lassen. Sie wirft sich vor ihm nieder. Man könnte auch sagen sie wirft sich ihm in den Weg. Irgendwie muss sie ihn dazu bringen, stehen zu bleiben, sie wenigstens anzuhören. Das kann man sicher als unterwürfige Geste betrachten. Was aber wären ihre Alternativen gewesen. Sie hätte ihm natürlich einen Kinnhaken verpassen können oder ein Bein stellen. Das hätte ihn vermutlich auch zum Anhalten gebracht. Ich bezweifle allerdings dass das so zielführend gewesen wäre, denn immerhin will sie ja etwas von ihm.

 

Das eigentlich entscheidende passiert aber erst jetzt. Sie bittet Jesus um seine Hilfe und wieder ist er ziemlich abweisend und dazu auch noch in seiner Wortwahl sehr beleidigend. Er bezeichnet sie und alle anderen aus dieser Gegend, als Hunde. 

Auch davon lässt sie sich nicht beeindrucken. Sie gibt nicht nach, zieht nicht beleidigt davon. Dabei glaube ich nicht, das sie sich mit dieser Aussage identifiziert und sich selbst als Hund sieht. Aber sie nimmt seine Worte geschickt auf, dreht sie um und richtet damit sein eigenes Bild gegen ihn. Sie argumentiert in quasi in die Ecke. Mit diesen Worten erreicht sie Jesus und bewirkt eine grundlegende Veränderung, in seinen Gedanken und seinem Handeln.

Haben wir es hier also mit einer unterwürfige Frau zu tun oder eher im Gegenteil mit einer besonders starken, hartnäckigen und klugen Frau.
Ich persönlich denke Letzteres. Sie ist getrieben von dem brennenden Wunsch ihre Tochter zu retten und sie setzt alle ihre Hoffnung, alles Vertrauen, und all ihren Glauben in diesen Mann. Sie ist überzeugt, dass dieser Jesus ihre Tochter retten kann. Dafür ist sie bereit zu kämpfen und alles in ihrer Macht stehende zu tun.

Das sie sich schließlich vor ihm niederwirft, hat daher aus meiner Sicht, diese zwei Aspekte:

 

Erst einmal wirft sie sich ihm in den Weg und hindert ihn am weitergehen. Auf der anderen Seite wirft sie sich auch tatsächlich vor ihm nieder. Sie macht sich klein. Sie zweifelt die Hierarchie in dieser Situation nicht an. Er ist Jesus, der Herr, der Meister, der Rabbi und sie, eine einfache Frau, eine Bittstellerin. Das anerkennen dieser Hierarchie, hält sie allerdings nicht davon ab, ihre Bitte vorzutragen, ihre Forderungen zu stellen. Und darüber hinaus stellt sie diese Hierarchie, stellt sie Jesus selbst und seine Ansichten infrage. Durch ihre Antwort belehrt sie Jesus regelrecht und das führt nicht nur dazu dass er ihrer Bitte nachgibt und die Tochter heilt. Nein, es erweitert und verändert den Blick Jesu auf seinen Auftrag, nur zu den verlorenen Schafen Israels gesand zu sein. Sie glaubt unbedingt an ihn und an seine Kraft zu helfen. Das ist es, was ihn am Ende überzeugt. Es sind ihre Worte, ihre Hartnäckigkeit, Ihr Vertrauen und ihr unbedingter Glaube.

Mir nötigt diese Frau großern Respekt ab, denn wer sonst hat es schon geschafft, Jesus dazu zu bringen, seinen Auftrag neu zu überdenken.

Dieser unbedingte Wille, ihr Glaube und ihr geschicktes Handel, können uns, glaube ich, wirklich ein Vorbild sein. Denn diese Eigenschaften sind sicher nötig, wenn wir irgendwo Veränderungen erreichen wollen.

Denn wenn man sich so umschaut in der Gesellschaft, der Welt mit ihren Kriegen oder auch in den Kirchen, kann man schnell verzweifeln an der riesigen Fülle an Problemen, an dem aufkommenden Gefühl von Hilflosigkeit und der Machtlosigkeit des eignen Handelns.

So als stünde man vor einer riesigen, dicken Mauern und hätte nur ein kleines Hämmerchen, um auf sie einzuschlagen und sie zum Einsturz zu bringen. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, bei dem man es vielleicht manchmal schafft, ein kleines Stück aus der Mauer zu brechen.

Da braucht es ganz sicher die Hartnäckigkeit und den unbedingten willen dieser kanaäischen Frau. Dann geschehen manchmal doch unerwartete Dinge. Wenn wir noch mal kurz zurück denken, an die Aktion „Out in Church“, Anfang des Jahres und ihre Forderungen. Hätte irgend jemand erwartet dass sich dadurch wirklich etwas ändert; gehofft vielleicht. Jetzt sieht es aber so aus, dass tatsächlich noch in diesem Jahr, die Bischofskonferenz eine wirklich grundlegende Änderung des Arbeitsrechts vornehmen wird. Um ganz ehrlich zu sein, ich glaube das erst, wenn es tatsächlich soweit ist, aber noch vor einem Jahr, hätte ich mir das nicht einmal vorstellen können. Das schien so unverrückbar fest in Stein gemeißelt, dass ich nicht erwartet habe, dass persönlich überhaupt noch zu erleben.

Vielleicht war aber gerade diese Aktion, das letzte Stück Stein, das aus der Mauer gebrochen wurden musste, um zumindest ein größeres Loch in sie hinein zu schlagen. Dazu hat es viele, viele Menschen und viele, viele Jahre an hartnäckigem klopfen auf diese Mauer gebraucht. Viele einzelne, die nicht aufgeben wollten, mit großer Geduld und großem Mut immer weiter gekämpft haben. Wofür ich persönlich, wirklich dankbar bin.
Wenn wir also wollen, dass sich, wo auch immer, Dinge zum Besseren verändern, dann können wir nicht darauf warten, dass dieseVeränderung einfach so vom Himmel fällt. Das passiert im Allgemeinen nicht. Dann läuft es darauf hinaus, dass wir, so wie die kanaanäische Frau, mit Glauben, Hartnäckigkeit und mit Klugheit, selbst etwas tun müssen, anders gesagt „Arsch huh, Zäng ussenander“ oder wie die Moselanerin in mir es wohl sagen würde: „krech de oasch huh un maach de schniss off“ (keine Ahnung wie man das richtig schreibt)

Fürbitten (Marc-Bernhard)

Alle:

Im dunklen Tal keine Träne
Wir sitzen in der Ungerechtigkeit und fletschen die Zähne:
Welt wir haben Dir den Kampf angesagt
Gerechtigkeit gibt es nur, wenn man etwas wagt –
Wir kämpfen, wir kämpfen!

1: Die Wut gegen die Kirche, in der wir beten
Die verbietet, wen wir lieben und mit wem wir leben
Wir haben uns versteckt, gehofft und geharrt –
Gott der Liebe, wir sind keine Narrn
Wir kämpfen, wir kämpfen!

2: Gott wir prangern an die Mächtigen und Reichen,
Die  unser Elend nicht konnte erweichen
Deren Gier den letzten Groschen von uns erpresst
Deren Geld aus Waffen unser Leben erschießen lässt –
Wir kämpfen, wir kämpfen!

3: Im düstern Tal keine Träne
Wir sitzen in der Ungerechtigkeit und fletschen die Zähne:
Mit diesen Bitten stehen wir vor Dir: (ablesen was steht)
Gerechtigkeit gibt es nur, wenn man etwas wagt –
Wir kämpfen, wir kämpfen!

4: Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jeder mit anderer Farbe und Glaube erschrickt,
Wenn die Wut der braunen Masse die Vielfalt erstickt
Wir kämpfen, wir kämpfen!

Alle:

Im dunklen Tal keine Träne
Gott, voll Mut und Freude, fletschen wir die Zähne:
Wir streiten mit Dir, der Kirche, der Welt
und hoffen auf den Tag, der das Tal erhellt –
Wir kämpfen, wir kämpfen!

Gen 32, 23-33: Der Kampf Jakobs mit dem Engel am Jabbok – und Auslegung (Dirk)

 

Er stand aber noch in derselben Nacht auf und nahm seine beiden Frauen und seine beiden Mägde samt seinen elf Kindern und überschritt mit ihnen die Furt Jabbok;

24 und er nahm sie und führte sie über den Fluss und ließ alles, was er hatte, hinübergehen.

25 Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.

26 Und als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, sodass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm.

27 Und der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich!

28 Da fragte er ihn: Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob!

29 Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel[1] ; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!

30 Jakob aber bat und sprach: Lass mich doch deinen Namen wissen! Er aber antwortete: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort.

31 Jakob aber nannte den Ort Pniel; denn er sprach: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden!

32 Und die Sonne ging ihm auf, als er an Pniel vorüberzog; und er hinkte wegen seiner Hüfte.

 

Das ist eine gleichermaßen rätselhafte wie ergreifende Geschichte: Nach zwanzig Jahren im Exil kehrt Jakob nach Hause zurück. Er hat’s fast geschafft: Nur noch ein Fluss, der Jabbok, trennt ihn von seiner Heimat. Seine Frauen und Kinder, sein Hab und Gut – alle und alles schon drüben auf der anderen Seite. Nur Jakob bleibt zurück.

Und kämpft bis zur Morgenröte mit einem fremden Mann. Wer genau das ist, warum die Beiden kämpfen – das erfahren wir nicht. Vielleicht ist es Gott, vielleicht ein Engel, vielleicht Jakobs Bruder Esau, den er fies betrogen hat. Jedenfalls: durch diesen Mann hat Jakob Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, wie es am Ende heißt.

Wie konnte sich Jakob sicher sein, dass er Gott gesehen hat? Weil dieser Mann ihn letztlich segnete, ihm Gutes zusprach – was segnen im Wortsinn ja bedeutet. Der Mann segnete Jakob, trotz – oder wegen – des Kampfes, den keiner von beiden gewonnen hat, den zumindest Jakob auch nicht unbeschadet überstanden hat. Jakob wird bis zum Ende seiner Tage hinken.
 
Mit Gott ringen, das steht immer auch für das Ringen mit den existenziellen Fragen des Lebens: Was macht mein Leben sinnvoll, woran hänge ich mein Herz, wofür setze ich mich ein? Für wen bin ich da? Wie kann ich trotz meines Versagens und Scheiterns Frieden finden?

Christenmenschen glauben daran, dass sie diese Fragen nicht alleine, aus sich heraus beantworten können, sondern auf ein Gegenüber angewiesen sind, ein Gegenüber, das sich auf uns einlässt und es im Letzten gut mit uns meint. Jemand, mit dem wir aber ringen müssen; eine Begegnung, aus der wir nicht unverändert hervorgehen. Wir gehen verletzt hervor, das heißt aber auch: langsamer, achtsamer, mitfühlender. Wir sind gesegnet – und werden wie Jakob zum Segen für andere.  

So wollen wir auch am Ende dieses Tages um Gottes anhaltenden Segen bitten. Gott segne und behüte uns; Sie lasse ihr Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig; Sie hebe ihr Angesicht über uns und gebe uns – und allen Menschen in diesen kriegerischen Zeiten – Frieden. Amen.

Nach dem persönlichen Segen und der Begegnung „Unter der Empore“
das „After-Pray“ im Puzzles….

Das Motto der Heilig-Rock-Tage 2022 klang uns dann doch ein bisschen zu beschaulich – adventlich, auch wenn wir auch das Anliegen voll und ganz teilen. Wir freuen uns, dass die Heilig-Rock-Tage unser Nachgebet ins Programm aufgenommen haben. Bei der Suche nach einer Übersetzung des Mottos waren wir schnell bei dem unvergesslichen Song von „Köln rockt gegen rechts“: ARSCH HUH, ZÄNG USSEANDER – jetz, net nächste Woch…
Am 9. November 1992 versammelten sich 100.000 Menschen auf dem Chlodwigplatz in Köln. Künstler*innen der Kölner Musikszene hatten zu einem Konzert „gegen Rassismus und Neonazis“ aufgerufen. Vorausgegangen war eine Welle von Übergriffen mit ausländerfeindlichem Hintergrund.
In den Mittelpunkt unseres Nachtgebets stellen wir eine biblische Frau, die „den Hintern hoch und die Zähne auseinander“ bekomment hat – mit einer ziemlichen Wirkung….

Zum Abschluss des Nachtgebets sind alle Einzelne und Paare herzlich zu einem persönlichen Segen eingeladen. Damit beteiligen wir uns wie auch im letzten Jahr an der Aktion #liebegewinnt . Wir glauben, dass Gott vorbehaltlos alle segnet, die sich lieben – denn Gott ist die Liebe (1Joh 4,16).
Im Anschluss gibt’s wie immer eine Begegnung unter der Empore oder den „Antrittsbesuch“ bei unsern Nachbar*innen im PUZZLES gegenüber der Kirche. Herzlich willkommen.

Infos beim SWR:
Heilig-Rock-Tage in Trier starten – mit Angeboten für Queere – SWR Aktuell

 

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